Neuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, ohne dass ihr eine Verletzung zugrunde liegt. Zwischen 60 und 90 Prozent der Diabetiker sind davon betroffen. Hauptursache einer diabetischen Neuropathie ist eine unzureichende Blutzuckereinstellung. Häufige Blutzuckerentgleisungen in Richtung hoher Werte (Hyperglykämien) schädigen die Nervenfasern.

Die diabetische Neuropathie entwickelt sich schleichend. Frühe Symptome sind Kribbeln, Ameisenlaufen und Missempfindungen. Im weiteren Verlauf treten Schmerzen, Taubheitsgefühle und Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen auf. Die Sensibilitätsstörungen und zunehmenden Schmerzen machen sich oft zuerst an Füssen und Unterschenkeln bemerkbar. Mit fortschreitender Erkrankung können Nervenzellen absterben.

Neuropathische Schmerzen lassen sich mit den gängigen Schmerzmitteln nur schwer kontrollieren. Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verringern die Schmerzweiterleitung im Rückenmark. Antikonvulsiva – ursprünglich zur Behandlung epileptischer Anfälle eingesetzt – dämpfen die Erregbarkeit von Nervenzellen. Auch retardierte Opioide, also starke Schmerzmittel auf Opiumbasis, werden zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Bei lokal begrenzten Beschwerden können Pflaster mit Lidocain oder Capsaicin Linderung verschaffen.

Die optimale Einstellung der Blutzuckerwerte und gegebenenfalls die medikamentöse Behandlung anderer Grunderkrankungen reduzieren das Risiko von Nervenschädigungen. Informationen und Schulungen verbessern das Wissen und die Therapietreue der Betroffenen – insbesondere bei Diabetes mellitus.

Regelmässige ärztliche Kontrollen, vor allem des Langzeitblutzuckers HbA1c (dies ist auch in Apotheken möglich), sowie die Untersuchung der feinsten Blutgefässe im Augenhintergrund durch eine Augenärztin oder einen Augenarzt, sind wichtige Massnahmen zur Kontrolle der Grunderkrankung.

Die Palette an Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes Typ II ist in den letzten Jahren stark gewachsen und bietet heute eine Vielzahl von Möglichkeiten. Nicht zuletzt unterstützt regelmässige körperliche Aktivität – in Kombination mit Gewichtskontrolle – den Stoffwechsel, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System. Dass man nicht rauchen und nicht übermässig Alkohol trinken sollte, versteht sich von selbst.