Wechseljahresbeschwerden: vom Tabu zur Sichtbarkeit
Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit – noch vor wenigen Jahren wurden die Beschwerden der Wechseljahre kaum offen angesprochen. Inzwischen verschafft vor allem die Diskussion in den sozialen Medien dem Thema neue Sichtbarkeit: Frauen teilen dort ihre Erfahrungen, benennen Belastungen klarer und fordern, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden. Wie berechtigt dieser Wunsch ist, zeigt unter anderem die Studie „MenoSupport Suisse“. Dafür wurden 2.259 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren befragt, wie sie die Wechseljahre erleben und wie sich die Symptome auf ihren beruflichen Alltag auswirken. Viele der Befragten berichteten, dass sie Beschwerden am Arbeitsplatz lieber verschweigen – aus Scham oder aus Sorge, weniger leistungsfähig zu wirken. Die Ergebnisse machen deutlich: Das Thema Wechseljahre ist nicht nur medizinisch relevant, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich.
Die Wechseljahre beginnen bei den meisten Frauen in der Schweiz zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung liegt durchschnittlich bei 52 Jahren (Quelle: Universitätsspital Zürich).
Die 4 Phasen der Menopause
Die Jahre vor und nach der letzten Regelblutung (Menopause) bezeichnet man als Wechseljahre oder Klimakterium. Sie markieren den Übergang von der fruchtbaren Lebensphase zu einer Zeit, in der keine Schwangerschaft mehr möglich ist. Dabei lassen sich vier Phasen unterscheiden:
- Prämenopause: bezeichnet den Abschnitt der Wechseljahre vor der Menopause und beginnt bei den meisten Frauen Mitte 40.
- Perimenopause: umfasst das Jahr direkt vor und nach der Menopause.
- Menopause: nennt man den Zeitpunkt der allerletzten Regelblutung; sie wird rückblickend festgestellt, wenn mindestens zwölf Monate lang keine Menstruation mehr aufgetreten ist.
- Postmenopause: beginnt zwölf Monate nach der letzten Blutung und kann viele Jahre andauern; typische Beschwerden lassen nach, wenn sich der Hormonhaushalt stabilisiert.
Verhütung trotz Menopause?
In der Zeit vor und nach der Menopause können noch Eisprünge auftreten – eine Schwangerschaft ist also weiterhin möglich. Frauen über 50 Jahren sollten daher mindestens ein Jahr lang nach der letzten Regelblutung verhüten, Frauen unter 50 Jahren sicherheitshalber während zwei Jahren.
Spürbarer Wechsel: So kommt es zu Hitzewallungen und Co.
Mit Beginn der Wechseljahre produzieren die Eierstöcke weniger Geschlechtshormone – vor allem Östrogen und Progesteron. Sie bereiten den Körper nicht nur auf eine mögliche Schwangerschaft vor, sondern beeinflussen auch Stoffwechsel, Körpertemperatur, Schlaf und Stimmung sowie die Gesundheit von Herz, Knochen, Haut und Gefässen. Sinkende Hormonspiegel und das ständige Auf und Ab der Hormone begünstigen typische Beschwerden.
Zu den häufigsten zählen Hitzewallungen, übermässiges oder nächtliches Schwitzen, Schlafstörungen, körperliche und geistige Erschöpfung sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden. Viele Frauen erleben zudem Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen. Häufig kommt Scheidentrockenheit hinzu, was zu Juckreiz und Schmerzen beim Sex führen kann. Auch Blasenentzündung treten häufiger auf. Veränderungen im Stoffwechsel führen zudem oft zu Gewichtszunahme, insbesondere am Bauch. Auch das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose steigt.
Pflanzliche Helfer gegen leichte Wechseljahresbeschwerden
mindern Hitzewallungen und übermässiges Schwitzen; ihr Einsatz bei hormonabhängigen Tumoren oder Brustkrebs wird
differenziert bewertet und sollte mit dem Frauenarzt resp. Onkologen besprochen werden.
hat sich vor allem bei vermehrtem und nächtlichem Schwitzen bewährt
fördern den Schlaf und wirken leicht beruhigend
Gut durch die Wechseljahre: Hilfe gegen Beschwerden
Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders, manche spüren kaum Veränderungen, andere durchlaufen eine ganze Bandbreite teils heftiger Symptome. Doch niemand ist den Beschwerden hilflos ausgeliefert, denn es gibt wirkungsvolle Massnahmen, um sie zu lindern.
Bewegung
Sport unterstützt den Schlaf, mildert Stimmungsschwankungen und kann Hitzewallungen abschwächen. Gleichzeitig hilft ein aktiver Alltag, das Gewicht zu halten oder abzunehmen. Sport stärkt die Knochen und schützt Herz und Gefässe. Ideal ist eine Mischung aus Krafttraining und Ausdauersport (z.B. Joggen, Velofahren, Schwimmen).
Ernährung
Ausgewogene Mahlzeiten stabilisieren den Blutzucker und können Hitzewallungen und Reizbarkeit reduzieren. Empfehlenswert sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und proteinreiche Lebensmittel. Gesundheitsbroschüre Gesunder LebensstilAlkohol, Koffein, Zucker und scharfe Gerichte sollten sparsam genossen werden, da sie Hitzewallungen verstärken können.
Entspannung und guter Schlaf
Yoga, Meditation oder Atemübungen mindern Hitzewallungen und sorgen für mehr Ausgeglichenheit. Hilfreich ist auch eine konsequente Schlafroutine: feste Schlafenszeiten und wenig Bildschirmlicht vor dem Zubettgehen. Diese Massnahmen verbessern die Schlafqualität deutlich.
Gezielter Einsatz von Medikamenten
Bei mittleren bis starken Wechseljahresbeschwerden gilt immer noch die Menopausale Hormontherapie (MHT) als besonders wirksam. Sie gleicht sinkende Hormonspiegel aus, meist mit einer Kombination aus Östrogen und Progesteron, die zum Beispiel auch über Pflaster auf der Haut verabreicht werden können. Bei Scheidentrockenheit kommen lokale Östrogene als Zäpfchen, Creme oder Vaginaltabletten zum Einsatz. Wenn eine Hormontherapie (z.Bsp. bei Brustkrebs nicht infrage kommt oder nicht gewünscht ist, können verschiedene nichthormonelle Medikamente die Beschwerden lindern.
Psychologische Unterstützung
Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, belastende Gedankenmuster zu durchbrechen. Viele Frauen erleben dadurch Hitzewallungen als weniger störend, schlafen besser und fühlen sich im Alltag ausgeglichener.
Yoga, Akupunktur, Meditation, progressive Muskelentspannung
Da Stress die Wechseljahrbeschwerden verstärkt, können diese Therapien die Lebensqualität erhöhen und oft zu einer Reduktion von Hitzewallungen führen.