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APROPOS Ausgabe 2/22
Kraft tanken im Wald

Aus Japan kommt ein Gesundheitstrend, der auch hierzulande immer beliebter wird: Waldbaden, die bewusste Auszeit in der Natur. Was steckt hinter der neuen Lust am Wald?

Von Marion Anna Becker

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Die Baumkronen zaubern Muster aus Sonnenlicht auf die Wege. Der Wind lässt die Blätter leise rascheln. Es duftet herrlich nach feuchtem Moos und Tannennadeln. Bestimmt erinnern Sie sich von Ihrem letzten Waldspaziergang an ganz ähnliche Eindrücke. Es sind die vielen kleinen Details, die es zwischen Bäumen, Sträuchern und auf verschlungenen Wegen zu entdecken gibt, die den Wald besonders machen. Forscher aus Japan vermuten schon lange, dass diese Umgebung sich auch positiv auf die Gesundheit auswirkt. Geführte Aufenthalte im Wald werden deshalb schon seit 1982 vom japanischen Gesundheitswesen gefördert. Sie sind bekannt geworden unter dem Namen «Shinrin Yoku», was so viel wie «Waldbaden» bedeutet.

Baume als Medizin?

In vielen asiatischen Ländern gilt «Shinrin Yoku» heute als anerkannte Methode zur Stressbewältigung. Einer der bekanntesten Experten für Waldbaden ist Dr. Qing Li, Professor an der Nippon Medical School in Tokio. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Studien durchgeführt. Sie zeigen beispielsweise, dass Waldbaden den Blutdruck und

den Puls reduzieren kann und dass Stresshormone im Blut sinken. Interessant sind auch Ergebnisse, die einen Zusammenhang mit dem Immunsystem zeigen. Demnach wirkt sich der Aufenthalt im Wald positiv auf bestimmte Immunzellen aus, die eine Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen. Und auch die Psyche profitiert: So heben Waldbesuche die Stimmung und sorgen für neue Energie. Eine koreanische Studie konnte sogar zeigen, dass Therapieprogramme bei Depressionen erfolgreicher sind, wenn sie in einer Waldumgebung durchgeführt wurden statt in einem Krankenhaus.

Heilsame Waldluft

Doch was genau macht die Heilwirkung aus? Ist es die besondere Atmosphäre innerhalb des Waldes oder reicht auch schon der Anblick von Bäumen, um eine positive Wirkung auf die Gesundheit zu erzielen? Auf Letzteres weist eine amerikanische Studie aus dem Jahr 1984 hin. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich Patientinnen und Patienten nach einer Operation schneller erholten, wenn sie beim Blick aus dem Krankenhausfenster auf Bäume schauten. Dennoch glauben Wissenschaftler heute, dass nicht eine Komponente allein den Zauber des Waldes ausmacht. Vielmehr scheint das Zusammenspiel verschiedener Faktoren für die heilsame Wirkung des Waldbadens verantwortlich zu sein. Dabei spielt die Waldluft offensichtlich eine besonders wichtige Rolle: Sie ist erfüllt von Stoffen, die Bäume ausstossen. Zu ihnen gehören auch ätherische Öle, hoch konzentrierte duftende Substanzen, die in den Nadeln von Fichten, Tannen oder Lärchen gespeichert und an die Luft abgegeben werden. Diese Baumdüfte nehmen wir beim Spazierengehen über die Haut und die Lunge auf. Im Körper entfalten die Öle ihre heilende Wirkung: Sie vertiefen die Atmung und helfen so, Stress abzubauen.

Eintauchen ins grüne Meer

In der japanischen Tradition bedeutet Waldbaden jedoch nicht, den Wald einfach nur zu durchwandern. Vielmehr soll die heilsame Umgebung des Waldes mit allen Sinnen wahrgenommen werden. Erlauben Sie sich also, die Natur ganz neu zu entdecken: Schnuppern Sie, von welchen Gerüchen die Luft erfüllt ist. Spüren Sie, wie sich der Boden unter Ihren Füssen anfühlt – fest und steinig oder weich wie ein Bett aus Tannennadeln? Wie fühlt sich die Rinde der Bäume an, wie das Moos auf einem Baumstumpf? Legen Sie den Kopf in den Nacken und betrachten Sie die Baumkronen, durch die das Sonnenlicht fällt. Lauschen Sie dem Flüstern der Blätter, dem Zwitschern der Vögel und dem Knacken der Äste. Versuchen Sie, sich als Teil der Natur wahrzunehmen.

Fazit: Es lohnt sich, Waldbaden auszuprobieren. Es gelingt alleine oder in der Gruppe und wenn Sie möchten, ist es sogar erlernbar. Denn es gibt mittlerweile zahlreiche Angebote für geführte Waldbesuche in der Schweiz.

Waldbaden für zu Hause

Wenn Sie mal keine Zeit für eine Auszeit im Wald haben, können Sie sich mit dieser Mischung aus ätherischen Ölen den Duft der Nadelbäume nach Hause holen:

  • 7 Tropfen Douglasfichte
  • 4 Tropfen Weisstanne
  • 1 Tropfen Zeder

Einfach in eine Duftlampe oder einen Aromavernebler geben, tief durchatmen und entspannen.

Tipp: In ausgewählten TopPharm Apotheken finden Sie eine grosse Auswahl hochwertiger ätherischer Öle. Gerne berät Sie das Apothekenteam, welche Öle für Sie geeignet sind und wie Sie diese richtig anwenden.