toppharm.ch

APROPOS Ausgabe 4/21
Mundgeruch ist (k)ein Tabu

Mundgeruch ist ein weitverbreitetes und ernstes Problem, aber weniger für die Gesundheit als für die Kontakte zu Freunden und Bekannten.

Von Dr. Jürgen Schickinger

leben_mundgeruch.jpg

Die Nase blendet Gerüche aus, die sich nicht ändern

Fachleute raten: Sprechen Sie Menschen mit Mundgeruch einfach taktvoll darauf an. Das empfinden zwar viele als unangenehm und peinlich, aber leider ändert sich häufig nichts, solange niemand die Betroffenen auf ihren Mundgeruch anspricht: Menschen sind wenig empfindlich dafür, wie der eigene Atem riecht. Unsere Nase blendet nämlich Gerüche aus, die lange Zeit gleich bleiben. Sie kennen das aus eigener Erfahrung: Jede Wohnung hat ihren eigenen Duft. Der fällt Ihnen deutlich auf, wenn Sie in eine fremde Wohnung kommen. Doch nach ein paar Minuten ist der Duft wie verschwunden, weil sich Ihr Geruchssinn daran gewöhnt hat.

Hinweise auf Mundgeruch können einfache Tests liefern. Als verdächtiges Zeichen gilt ein sichtbarer, andersfarbiger Belag auf der Zunge. Selbst wenn Sie da nichts sehen, können Sie mit einem Wattestäbchen, einem Streifen von einem Kaffeefilter oder Löschpapier etwas Belag vom hinteren Bereich der Zunge abreiben. Schmeckt diese Probe unangenehm, erhärtet sich der Verdacht auf Mundgeruch. Alternativ können Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide reinigen und nach 15 Sekunden Trockenzeit an der Seide schnuppern. Ähnlich funktionieren der Handrücken- oder Löffeltest: ablecken, trocknen lassen, schmecken.

Fehlerhafte Mundhygiene ist die häufigste Ursache

Diese Tests eignen sich für die grosse Mehrheit aller Fälle: Bei neun von zehn Menschen wird der Mundgeruch seinem Namen gerecht und kommt wirklich aus dem Mund- oder Nasen- Rachen-Raum. Die häufigste Ursache ist mangelhafte Mundhygiene. Viele Mundbakterien ernähren sich von Speiseresten und können schlimme Gerüche produzieren. An Zähnen und in Zahnzwischenräumen, die nicht optimal gereinigt sind, wachsen diese Bakterien besonders gut. Sie sammeln sich auch in Spalten, etwa an Kronen, Implantaten und anderen Prothesen, die undicht sind.

Einige Mundbakterien bilden darüber hinaus Zahnbeläge, wenn sie sich stark vermehren. Durch diese Plaques entstehen Karies und Parodontose, bei denen Bakterien die Zahnsubstanz oder das Zahnfleisch angreifen. Dies kann im Endeffekt nicht nur schmerzhaft werden, sondern auch zu unschönen Düften führen. Zum Thema Mundgesundheit berät Sie das Team Ihrer nächsten TopPharm Apotheke gerne persönlich: Denn eine gute Mundhygiene schützt Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch, verhindert Schmerzen und beseitigt in vielen Fällen auch Mundgeruch.

Um schlechtem Atem vorzubeugen, ist noch wichtig, den Mundraum feucht zu halten: Eine gute Speichelproduktion löst Nahrungsreste mit einem Teil der Bakterien. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken und durch die Nase zu atmen, wenn möglich. Mundatmung und Schnarchen trocknen den Mund aus. Auch verringern bestimmte Medikamente und Fastenkuren die Speichelproduktion.

Manchmal kommt Mundgeruch gar nicht aus dem Mund

In einem von zehn Fällen kommt Mundgeruch allerdings gar nicht aus dem Mund- oder Nasen-Rachen-Raum, sondern steht in Zusammenhang mit dem Magen-Darm-Trakt, der Lunge oder mit anderen Organen. Dann muss die entsprechende Ursache behandelt werden. Sie zu finden, kann jedoch schwieriger werden, weil verschiedene Erkrankungen und Störungen manchmal zu schlechtem Atem führen. Was viele nicht wissen: Mundgeruch kann auch auftreten, wenn bestimmte Nahrungsmittel über längere Zeit konsumiert werden und sich der Stoffwechsel umstellt. Darum entwickelt sich gelegentlich schlechter Atem bei proteinreichen, fettreichen oder kalorienarmen Diäten.