Kaum ein Schmerz hat so viele verschiedene Gesichter wie der Kopfschmerz. Menschen aller Altersgruppen leiden im Laufe ihres Lebens an der einen oder anderen Form - mal leichter, mal intensiver. Die Fachwelt unterscheidet zwischen über 200 verschiedenen Kopfschmerzarten. Ausprägung und Ursachen sind jedoch sehr unterschiedlich. Genau so vielfältig sind die Behandlungsmöglichkeiten. Die gute Nachricht: Die meisten Kopfschmerzen sind harmlos und gut behandelbar.

 

Die häufigsten Kopfschmerzarten im Überblick

Die gängigsten Arten von primären Kopfschmerzen sind Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Man spricht von primären Schmerzen, weil die Kopfschmerzen das eigentliche medizinische Problem sind. Sind die Kopfschmerzen sekundär, also auf einen Sturz, einen Aufenthalt in grosser Höhe oder eine andere Krankheit wie zum Beispiel einen grippalen Infekt oder Bluthochdruck zurückzuführen, ist in vielen Fällen ein Besuch beim Arzt unumgänglich.

 

Spannungskopfschmerzen

Das ist die häufigste Kopfschmerzform. Spannungskopfschmerzen kommen oft plötzlich und sind meist harmlos. Der Schmerz ist in der Regel beidseitig, dumpf oder ziehend, wie ein zu enges Stirnband oder ein Schraubstock. Häufige Auslöser sind übermässiger Stress, Schlafmangel, Wetterfühligkeit, Muskelverspannungen, schlechte Körperhaltung, zu wenig Flüssigkeit oder übermässiger Alkoholkonsum am Vortag. 

Immer häufiger verursachen Smartphones Muskelverspannungen, die wiederum die Kopfschmerzen auslösen. Die Ursache? Der typische Handynacken (auch Tech-Neck genannt), eine Folge der Fehlhaltung und des ständigen Blickes auf den Bildschirm. Wenn der Kopf nach vorne geneigt ist, lastet bei einem Winkel von 60 Grad bereits ein Gewicht von 27 kg auf der Halswirbelsäule.

Auch der digitale Sehstress durch ständiges Fokussieren der Augen (d.h. seltenes Blinzeln) aufs Handy oder auf den Computer kann zu Kopfschmerzen führen, oft verbunden mit brennenden, trockenen Augen und den regelmässig dazugehörenden Nacken- und Schulterverspannungen. Übrigens wirkt Bewegung bei Spannungskopfschmerz oft lindernd.

 

Migräne

Migräne ist als Kopfschmerzform seltener, aber deutlich intensiver und schmerzhafter und kommt oft immer wieder. In der Regel ist ihr Entstehen mit neurologischen oder hormonellen Veränderungen verbunden. Eine genetische Veranlagung und Umweltfaktoren, wie schlechte Luftqualität können ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung spielen. Typische Symptome sind Übelkeit, Geräusch-, Geruchs- oder Lichtempfindlichkeit, welche die heftigen, meist auf eine Kopfseite begrenzten, pulsierenden oder hämmernden Schmerzen begleiten. Ruhepausen in einem abgedunkelten Raum helfen vielen Betroffenen. Bewegung verstärkt die Schmerzen meistens noch. Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer.

Bei Frauen sind es vor allem die Phasen der hormonellen Veränderungen, zum Beispiel kurz vor und bei Beginn der Menstruation (Oestrogenabfall), aber auch während der Pubertät oder in den Wechseljahren, in denen die Migräneattacken vorkommen. Während einer Schwangerschaft kann sich Migräne verbessern, aber leider auch verschlimmern.

 

Clusterkopfschmerzen 

Clusterkopfschmerzen gelten als die stärksten primären Kopfschmerzen überhaupt. Zum Glück sind sie eher selten. Sie treten oft über Wochen hinweg in kurzen, heftigen und plötzlichen Schmerzattacken auf, die als Cluster (engl. cluster = Gruppe, Anhäufung) bezeichnet werden. Die stechenden und brennenden Schmerzen sind einseitig und sitzen meist im Bereich der Augen, Stirn oder Schläfe. Begleitsymptome wie tränende gerötete Augen, starkes Schwitzen im Gesicht oder eine verstopfte Nase können vorkommen. Im Unterschied zur Migräne sind Männer häufiger von Cluster-Kopfschmerzen betroffen als Frauen.

Die genauen Ursachen der Clusterkopfschmerzen sind nicht bekannt, man vermutet aber eine Überaktivität im Hirn in gewissen Arealen (Hypothalamus) und als Auslöser (Trigger) zum Beispiel Blendlicht, flackerndes Licht, Nikotin, Alkohol, Temperatur- oder Luftdruckschwankungen, ausgelöst durch einen Aufenthalt in grossen Höhen. Betroffene können über längere Zeit beschwerdefrei sein, bis wieder eine erneute Häufung der Episoden auftritt.

 

Was hilft gegen Kopfschmerzen?

Die Behandlung richtet sich nach der Art und dem Schweregrad der Kopfschmerzen. Neben Medikamenten gibt es zahlreiche wirksame Alternativen zur Schmerzlinderung. Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen. Physiotherapie, Osteopathie, Chiropraktik, Akupunktur und Massagen sind ebenfalls Methoden, die bei regelmässig auftretenden Kopfschmerzen helfen können. 

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmässiger Bewegung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr sind wichtige Grundlagen. Als Unterstützung für medizinische Fachpersonen kann ein detailliertes Kopfschmerztagebuch Hinweise auf Ursachen geben. Besonders für Migränebetroffene ist es wichtig, dadurch ihre individuellen Auslöser, wie zum Beispiel mangelnder Schlaf, Nahrungsmittel, Alkohol etc. zu erkennen und zu vermeiden. 

Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Diese Hausmittel helfen oft schon bei Spannungskopfschmerzen oder Migräne:

Entspannung

  • Genug Schlaf
  • Abbau von Stress durch Änderungen des Lebensstils
  • Kurze Erholungspausen mit geschlossenen Augen
  • Entspannungsübungen
  • Rückzug in einen ruhigen abgedunkelten Raum bei leichter Migräne

Kälte oder Wärme

  • Warmes Bad
  • Wärme im Nacken bei muskulären Verspannungen
  • Kalte Kompressen auf der Stirn

Essen und Trinken

  • Viel stilles Wasser trinken
  • Keine alkoholischen Getränke
  • Leichte ausgewogene Mahlzeiten

Bewegung & Massage

  • Ein kurzer Spaziergang oder leichte körperliche Aktivität
  • Sanfte Nacken-, Schulter- oder Stirnmassagen
  • Selbst-Akupressur (zum Beispiel Druckpunkt zwischen Daumen und Zeigefinger)

Wann sollte man mit Kopfschmerzen in die Apotheke gehen?

Wenn Kopfschmerzen trotz Ruhe, Hausmittel und Medikamenten nicht besser werden, sich ungewöhnlich anfühlen oder sich verschlimmern, lohnt sich ein Besuch in der Apotheke zur weiteren Abklärung. 

Bei gelegentlichen Kopfschmerzen können rezeptfreie Medikamente wie zumBeispiel Ibuprofen oder Paracetamol gut wirken. Ibuprofen und andere Schmerzmittel wirken zuverlässig – aber nur, wenn man sie massvoll einsetzt. Wer sie mehr als 15 Tage pro Monat nimmt, riskiert das Gegenteil: Der Körper gewöhnt sich daran und produziert selbst neue Kopfschmerzen. Nicht jedes Medikament ist für jeden Menschen gleich gut geeignet. Gerade ältere Personen, die mehrere weitere Medikamente einnehmen, brauchen eine umfassende Beratung durch eine Fachperson in der Apotheke. 

Übrigens kennt Ihr Apothekenteam auch viele andere Produkte aus dem Bereich der Komplementärmedizin bei Kopfschmerzen z.Bsp. Roller für die Schläfen u.a. Bei diagnostizierten Migränepatientinnen und -patienten helfen oft spezielle Medikamente, die entweder zur Akutbehandlung oder zur Vorbeugung eingesetzt werden, auch hier weiss Ihre Apotheke Rat. 

In schweren Fällen von Migräne oder bei Clusterkopfschmerzen ist eine ärztliche Behandlung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten unerlässlich.

Ob gelegentlich oder regelmässig: Kopfschmerzen begleiten viele Menschen durch den Alltag. Mit dem richtigen Wissen und passenden Massnahmen lassen sie sich in den meisten Fällen deutlich lindern und in den meisten Fällen sogar beseitigen. Wer auf die Signale seines Körpers hört, diese ernst nimmt und frühzeitig gegensteuert, kann einiges zu seinem Wohlbefinden beitragen. Die Fachpersonen in Ihrer Apotheke beraten Sie kompetent und vor allem unkompliziert ohne Termin. 

Wann sollte man mit Kopfschmerzen zum Arzt oder in die Notaufnahme?

  • ungewöhnlich starken, plötzlich auftretenden Kopfschmerzen oder sich trotz Medikamenten verschlimmernden Kopfschmerzen
  • zusätzlichen neurologischen Symptomen (Lähmungen, Sprach-, Sehstörungen, Verwirrtheit)
  • bei zusätzlich hohem Fieber, Nackensteife, starker Übelkeit
  • Kopfschmerzen nach einer Verletzung, zum Beispiel nach einem Sturz
  • Hautrötungen, die wandern, sich scharf abgrenzen oder Rötungen, die mit Fieber oder Bewusstseinstrübungen einhergehen.
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit an der Schläfe, kombiniert mit Sehstörungen oder starken Kopfschmerzen
  • Neu auftretende, veränderte Kopfschmerzen bei älteren Personen
  • Neu auftretende Kopfschmerzen nach der 20. Schwangerschaftswoche