Der Körper und die Psyche sind eng miteinander verbunden. Eine aufrechte Körperhaltung kann einen Einfluss auf unsere Stimmung sowie unser Selbstbewusstsein haben. Es gibt Studien, die besagen: Bereits zwei Minuten in einer «Power-Pose» – einer aufrecht stehenden Haltung, nach vorne blickend und die Hände am Becken abgestützt – kann die Stimmung etwas heben und die Zuversicht stärken.
Eingezogene Schultern, ein gekrümmter Rücken oder ein gesenkter Kopf signalisieren hingegen Unsicherheit, Stress oder Erschöpfung. Ein gesenkter Kopf wird oft verbunden mit Traurigkeit oder Scham. Lang anhaltende verkrampfte Körperhaltungen, die häufig durch langes Sitzen inbesondere bei Bildschirmarbeit entstehen, beeinträchtigen nicht nur unsere Atmung, sondern können auch zu Verspannungen und verstärkten Beschwerden wie beispielsweise Kopfschmerzen führen.
Haltungen spiegeln nicht nur unsere Emotionen wider, sondern beeinflussen diese auch. Ein aktiver, dynamischer Gang kann etwa Motivation und Energie signalisieren, während eine gebeugte Haltung das Gegenteil vermitteln kann.
Diese Wechselwirkungen sind ein starkes Argument dafür, sich seiner Haltung bewusst zu werden.
Prävention und Korrektur von Fehlhaltungen
Die gute Nachricht: Fehlhaltungen lassen sich durch verschiedene Massnahmen oft vermeiden oder gar korrigieren:
Bewusstsein für die Haltung schaffen
- Überprüfen Sie regelmässig, ob Schultern, Kopf und Rücken in einer unverkrampften Position sind. Besonders im Büroalltag hilft es, regelmässig die Haltung zu wechseln oder kurz aufzustehen.
- Achten Sie auch auf die Ausrichtung Ihres Arbeitsplatzes: Ein ergonomischer Stuhl und ein Monitor in Augenhöhe helfen, Fehlhaltungen zu reduzieren.
Bewegung in den Alltag integrieren
- Kurze Bewegungspausen – ein Spaziergang, sanfte Dehnübungen oder ein paar lockere Bewegungen – aktivieren grosse Muskelgruppen und beugen einseitiger Muskelbelastung vor.
- Bei akuten Verspannungen können Wärme-Anwendungen wie Wärmepflaster oder ein Kirschkernkissen die Muskulatur entspannen und Schmerzen lindern.
Stress aktiv abbauen
- Psychische Anspannung schlägt oft auf die Muskulatur. Atemübungen, Meditation oder Yoga helfen, Stress zu reduzieren und damit verbundenen Verspannungen vorzubeugen.
- Auch kleine Rituale wie regelmässige Pausen und bewusstes Atmen im Alltag können helfen.
Behandlungsmöglichkeiten bei länger andauernden Verspannungen
In manchen Fällen sind die bisher genannten Massnahmen nicht mehr ausreichend, um Verspannungen zu lösen oder vorzubeugen, vor allem bei chronischen Vorerkrankungen. Dann ist es an der Zeit, professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen.
Folgende Therapieformen können nach medizinischer Abklärung verordnet werden:
| Behandlungsmöglichkeit | Beschreibung |
| Physiotherapie | Begleitete Übungen stärken den Bewegungsapparat, lösen Verspannungen und fördern eine gesunde Haltung. |
| Osteopathie | Die komplementärmedizinische manuelle Therapie hilft bei funktionellen Beschwerden des Bewegungsapparats mit einer ganzheitlichen Betrachtung des Körpers. |
| Shiatsu | Diese japanische Therapieform hat zum Ziel, Akupunkturpunkte über Handdruck anzuregen und den Energiefluss wiederherzustellen. Sie wird bei Kopf- und Rückenschmerzen oder in belastenden Lebenssituationen eingesetzt. |
| Medikamentöse Massnahmen | Für die äussere Anwendung bei Rückenschmerzen und Nackenverspannungen gibt es Pflaster und Cremes mit wärmenden, durchblutungsfördernden und/oder schmerzstillenden Wirkstoffen. |
Übungen zur Vorbeugung von Verspannungen
Dehnübung für den Nacken
- Aufrecht sitzen, der Nacken bildet die gerade Verlängerung der Wirbelsäule.
- Den Kopf langsam zur Seite neigen, sodass das Ohr Richtung Schulter zeigt.
- Die gegenüberliegende Schulter bewusst locker hängen lassen.
- Variante: den Dehnungseffekt durch sanften Druck der Hand auf den Kopf verstärken.
- Anschliessend die Übung auf der anderen Körperseite wiederholen.
Kräftigungsübung für den Rücken
- Flach auf dem Bauch liegen, Arme und Beine gestreckt.
- Die Füsse berühren sich, die Arme schweben leicht über dem Boden.
- Beine und Oberkörper anheben (bei Schmerzen im unteren Rücken nur wenig anheben und mit «Katzenbuckel» abwechseln). Wichtig: Der Kopf bleibt in der Verlängerung der Wirbelsäule.
- Anschliessend kann die Übung bis zu 4 Mal wiederholt werden: jedoch ohne sich dabei zu verausgaben.