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WHO berät über Ausbreitung des Zika-Virus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag wegen der Ausbreitung des Zika-Virus über die Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstands beraten.

Dies teilte ein WHO-Sprecher am Nachmittag mit. An der Telefonkonferenz von Gesundheitsexperten und ranghohen WHO-Vertretern hätten die Vertreter von zwölf Mitgliedstaaten teilgenommen, darunter das am schwerste betroffene Land Brasilien sowie Argentinien. Der Expertenrat soll Massnahmen zur Eindämmung des Erregers vorschlagen, der sich in Lateinamerika rasant ausbreitet und mit einem starken Anstieg von Fehlbildungen bei Neugeborenen einhergeht. Die Ratschläge könnten unter anderem den Reiseverkehr in betroffene Gebiete, die medizinische Versorgung von Kranken sowie die Infektionskontrolle betreffen.

Eine Notfallregelung würde auch Staaten ausserhalb der Seuchengebiete verpflichten, Massnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen. Dass WHO-Direktorin Margaret Chan eine der eher seltenen WHO- Dringlichkeitssitzungen ansetzte, zeigt, wie ernst die Gefahr einer möglichen weltweiten Ausbreitung der Epidemie genommen wird. Während der Ebola-Epidemie vor zwei Jahren war der WHO vorgeworfen worden, die Ausbreitung des Virus unterschätzt und zu lange gebraucht zu haben, um den internationalen Notfall zu deklarieren.

Bis zu vier Millionen Krankheitsfälle

In Brasilien, dem bisher am stärksten betroffenen Land, gehen Behörden von bis zu 1,5 Millionen Verdachtsfällen aus. In dem Land gibt es bisher rund 4180 Fälle von möglicher Schädelfehlbildung. Die WHO spricht von einer zeitlichen und räumlichen Übereinstimmung der Fehlbildungen mit der Ausbreitung des Zika-Virus. Wissenschaftlich ist ein Zusammenhang aber nicht bewiesen. Die WHO befürchtet bis zu vier Millionen Krankheitsfälle in diesem Jahr. Inzwischen wurde es auch in mehreren europäischen und nordamerikanischen Ländern diagnostiziert. In der Schweiz waren dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bis am Montag zwei Fälle von Reiserückkehrenden bekannt, die sich mit dem Zika- Virus angesteckt haben. Die Personen waren aus Haiti und Kolumbien zurückgekehrt.

80 Prozent der Infizierten ohne Symptome

Der Zika-Virus wird durch Stiche der Tigermücken übertragen. Gemäss BAG-Angaben verläuft eine Infektion mit dem Zika-Virus in 80 Prozent der Fälle symptomlos. In den übrigen 20 Prozent der Fälle können mittelschwere Symptome wie leichtes Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten. Manchmal kommt es zu einer nicht eitrigen Bindehautentzündung und seltener zu Erbrechen. Bisher gibt es keine Behandlungsmethoden gegen die Krankheit. Laut WHO dauert die Entwicklung eines Impfstoffs mehr als ein Jahr. Bislang warnt die Organisation aber noch nicht vor Reisen in die betroffenen Gebiete, sondern rät lediglich, sich vor Mückenstichen zu schützen.

Quelle: sda

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