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Wenn Wohlstand krank macht

Es wird immer noch häufig unterschätzt: Starkes Übergewicht ist ungesund. Überflüssige Kilos sind ein erster Schritt auf dem Weg zum berüchtigten metabolischen Syndrom. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt damit deutlich an.

Es wird immer noch häufig unterschätzt: Starkes Übergewicht ist ungesund. Überflüssige Kilos sind ein erster Schritt auf dem Weg zum berüchtigten metabolischen Syndrom. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt damit deutlich an.

Tipps vom Gesundheits-Coach

Hat das Alter Einfluss auf das metabolische Syndrom?

Eigentlich nicht, man spricht eher bei jüngeren Patienten von einem metabolischen Syndrom. Vor 20 Jahren kannte man das so noch nicht. Im Alter verändert sich der Stoffwechsel des Körpers, insbesondere bei Frauen in der Menopause. Wenn sich der gesamte Hormonhaushalt umstellt, steigt das Risiko für Arterienverkalkung.

Was bedeutet Gefässverkalkung?

Arteriosklerose bekommt jeder. Das im Volksmund als Gefässverkalkung bezeichnete Leiden ist eine Folge des Alterungsprozesses. Bei einer Arteriosklerose sind bestimmte Gefässe, die Arterien, derart verengt, dass es zu gefährlichen Durchblutungsstörungen kommen kann. Schuld an der Verengung sind Blutfette, Bindegewebe, Kalk oder Blutgerinnsel, die sich in den Gefässwänden ablagern.

Wie komme ich von den alten Gewohnheiten los?

Schritt für Schritt. Radikale Umstellungen des Lebenswandels bringen meistens nichts. Man muss sich realistische Ziele setzen. Meiner Meinung nach kann es helfen, wenn man seine Ziele schriftlich formuliert. Sei dies, die Treppe statt den Lift zu nehmen, öfter mit dem Velo zu fahren oder mehr Früchte und Gemüse zu essen. Begleitende Unterstützung, wie sie die Gesundheits-Coachs in den TopPharm Apotheken anbieten, kann durchaus sinnvoll sein.

Können Probiotika vorbeugen helfen?

Das ist ein kontroverses Thema. Als alleinige Vorsorge genügen sie sicher nicht. Es gibt ganz verschiedene probiotische Lebensmittel; am bekanntesten sind wohl Milchprodukte wie Joghurts und Joghurtdrinks. Sie sind aber eher für eine Darmsanierung geeignet, denn zur Verhinderung des metabolischen Syndroms.

Metabolisches Syndrom – Gut zu wissen

Wenn Wohlstand krank macht

Das metabolische Syndrom ist keine eigenständige Krankheit. «Darunter versteht man das gleichzeitige Auftreten unterschiedlicher Faktoren, die bereits einzeln, gemeinsam jedoch verstärkt, die Blutgefässe und -Organe schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen», erklärt Dr. Christian Hoppe, Arzt im Medizinischen Zentrum Bad Ragaz. Eine gefährliche, im schlimmsten Fall tödliche Kombination.

Eine schleichende Gefahr

Oft beginnt es mit zu viel Bauchfett, sogenannter stammbetonter Adipositas. Das Bauchfett – vor allem das gefährliche innere Fett, welches sich im Bauchraum ansammelt – kann den Fett- und Zuckerstoffwechsel krankhaft verändern. Das Hormon Insulin, dessen Aufgabe es ist, den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren, kann nicht mehr richtig wirken. Es kommt zu einer Insulinresistenz. Der Blutzucker steigt an, die Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin und muss dafür auf Hochtouren arbeiten. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel und Adipositas sind bereits zwei Risikofaktoren für ein metabolisches Syndrom.

Zwei weitere: Ein erhöhter Insulinspiegel kann Bluthochdruck und Fettwechselstörungen zur Folge haben. Damit erhöhen sich die Blutfettwerte. Ablagerungen in den Blutgefässen, – Gefässverkalkung oder Arteriosklerose genannt – sind die Folge.

Treffen also mehrere dieser Risikofaktoren zusammen, spricht man vom metabolischen Syndrom. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gefässe und Organe ernsthaft Schaden nehmen, ist dadurch deutlich erhöht. Dr. Hoppe warnt: «Mögliche Folgen sind Herzinfarkt, Herzschwäche, Durchblutungsstörungen, Schlaganfall oder Nierenversagen.» Die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung vervierfacht sich nach Meinung von Experten sogar. Höchste Alarmstufe also!

Unterschiedliche Kriterien

Die Diagnose stellt der Arzt durch Messen von Gewicht, Blutdruck und Taillenumfang sowie aufgrund verschiedener Blutuntersuchungen. Auch Ruhe- und Belastungs-EKG können durchaus sinnvoll sein.

Allerdings ordnen die verschiedenen Gesundheitsorganisationen die Kriterien für die Diagnose des metabolischen Syndroms unterschiedlich ein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gewichtet den Zuckerstoffwechsel am höchsten, die Internationale Diabetes Foundation bewertet die Körperfettverteilung als wichtigstes Kriterium und beim NCEP, dem National Cholesterol Education Programm, wird dann ein metabolisches Syndrom diagnostiziert, wenn mindestens drei der folgenden fünf Risikofaktoren vorhanden sind: starkes Übergewicht, zu grosser Taillenumfang (als Marker für den Anteil des inneren Bauchfettes), Blutzucker (Anzeichen einer Insulinresistenz), Blutfette (zu hohe Blutfettwerte und zu niedriges HDL-Cholesterin), Blutdruck (Langzeitblutdruckmessung nötig).

Es liegt auch viel davon in Ihrer Hand!

Wird die Diagnose metabolisches Syndrom gestellt, ist meist zumindest vorübergehend auch eine medikamentöse Therapie notwendig, um Blutdruck und Blutzucker zu senken. «Eine Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten ist jedoch unumgänglich, um das Risiko einzudämmen. Je früher die Umstellung beginnt, desto eher lassen sich Folgeerkrankungen verhindern», betont Dr. Hoppe.

Deshalb ist es ratsam, frühzeitig und selber die Reissleine zu ziehen und auf einen gesünderen Lebensstil umzusteigen. Vorsorgen ist – auch in diesem Fall – deutlich besser als Nachsorgen!

Text: Brigitte Bircher-Schöb