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Wenn Knochen scheinbar grundlos brechen

Osteoporose betrifft keineswegs nur ältere Frauen. Für beide Geschlechter ist Vorbeugen wichtig, und das schon in jungen Jahren. Starke Knochen sind nicht selbstverständlich, wir können aber einiges dafür tun, damit sie stark bleiben.

Osteoporose betrifft keineswegs nur ältere Frauen. Für beide Geschlechter ist Vorbeugen wichtig, und das schon in jungen Jahren. Starke Knochen sind nicht selbstverständlich, wir können aber einiges dafür tun, damit sie stark bleiben.

Tipps vom Gesundheits-Coach

Ist Osteoporose vererbbar?

Die Veranlagung oder besser gesagt die Erbfaktoren dürften einen erheblichen Einfluss auf die Knochenmasse haben. Normalerweise befinden sich Knochenaufbau und -abbau im Gleichgewicht. Im Alter von 40 Jahren beginnt ein natürlicher leichter Abbau der Knochenmasse. Gerät der Knochenstoffwechsel stärker aus dem Gleichgewicht, kommt es zur Osteoporose.

Wie kann man Osteoporose vorbeugen?

Vorsorge ist besser als heilen! Das bedeutet viel Bewegung, empfohlen werden vor allem Radfahren und Schwimmen. Auch die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Osteoporose-Verhinderung: Vitamin D und kalziumreiche Ernährung in Form von Milchprodukten, Obst, Gemüse und Getreideprodukten sollten auf Ihrem täglichen Speiseplan stehen. Phosphate, wie sie beispielsweise in Wurst und Fleisch vorkommen, sollten man eher meiden.

Lässt sich eine Osteoporose wieder rückgängig machen? Oder zumindest stoppen?

Leichte Formen der Osteoporose kann man mit Kalzium und Vitamin D behandeln. Vitamin D ist eines der wichtigsten Signale zur Einlagerung von Kalzium in den Knochen. Bei den meisten Patienten reicht dies aus, um die Erkrankung zu stabilisieren. Bei schwerer betroffenen Patienten kommen Medikamente zum Einsatz. Das Ziel der Behandlung ist, die Knochen so weit zu stabilisieren, dass die Frakturgefahr gebannt ist.

Darf man trotz Osteoporose Sport treiben?

Ja, man muss sogar! Muskeln müssen regelmässig trainiert werden, damit sie fit bleiben – Knochen brauchen Training, damit sie keine Substanz abbauen. Beide lassen sich bis ins hohe Alter trainieren. Über Bewegung können Sie Muskulatur aufbauen, über Belastung den Knochen stärken.

Osteoporose – Gut zu wissen

Wenn Knochen scheinbar grundlos brechen

Unsere Knochen bilden die Grundlage dafür, dass wir uns aufrecht halten und bewegen, sitzen, stehen und greifen können. Eines der vielen Wunderwerke der Natur! Sie bestehen nicht einfach komplett aus Knochengewebe – das würde sie viel zu schwer machen –, sondern sind mit einem schwammartigen Netzwerk gefüllt. Ähnlich dem System eines Baukrans bilden sich in ihrem Inneren Knochenbälkchen, welche aus Kollagen bestehen und durch Einlagerungen von Kalzium sowie Phosphat verfestigt werden. Diese «Konstruktion» wird Spongiosa genannt. Sie macht das Skelett leicht und dennoch sehr belastbar.

Während der ersten 30 bis 40 Lebensjahre bauen sich die Knochen auf, werden härter und stärker. Gesunde Ernährung und Bewegung unterstützen den Aufbau bis zur maximalen Knochenstärke. Laufend werden defekte Stellen durch die «Fresszellen», die sogenannten Osteoklasten, abgebaut. Gleichzeitig bauen Osteoblasten wieder neue Knochensubstanz auf. Mit den Jahren geht jedoch das Gleichgewicht von Auf- und Abbau verloren: Es wird mehr abgebaut als produziert. Die Knochen werden instabiler und zerbrechlicher und das im ganzen Körper.

Osteoporose und Wechseljahre

Dieser gestörte Knochenstoffwechsel und der damit einhergehende Verlust an Knochendichte sind so weit normal. Mit zunehmendem Alter verlieren die Knochen an mineralischer Substanz und werden schwächer. Bei manchen Menschen jedoch ist der Knochenabbau so weit verstärkt, dass Osteoporose diagnostiziert wird. Ob es sich wirklich um «Knochenschwund» handelt, lässt sich durch eine Knochendichtemessung bestimmen. Diese wir dann sinnvoll, wenn es ohne ersichtlichen Grund zu Brüchen kommt. Typisch für Osteoporose sind Brüche im Bereich der Wirbelkörper, die auch starke Schmerzen verursachen. Langfristig können sie zu Grössenverlust, der Ausbildung eines Rundrückens und einer verstärkten Krümmung der Lendenwirbelsäule führen.

Je mehr Knochenmasse jemand in jungen Jahren hat, desto geringer die Gefahr, an Osteoporose zu erkranken. Frauen sind von Osteoporose häufiger betroffen, weil sie von Natur aus weniger Knochenmasse und insgesamt «kleinere» Knochen haben. Da die Osteoblasten und Osteoklasten durch körpereigene Botenstoffe reguliert werden, haben die Wechseljahre bei Frauen zusätzlich einen negativen Einfluss auf die Knochendichte. Der Körper produziert immer weniger Östrogen, das Sexualhormon, welches die Knochen schützt. Dies kann den Abbau beschleunigen und somit das Risiko für Osteoporose erhöhen.

Tun Sie Ihren Knochen Gutes!

Knochenschwund lässt sich nicht aufhalten, aber verlangsamen. Beispielsweise durch Medikamente, die dafür sorgen, dass die Knochen gefestigt werden und somit das Risiko für Brüche gemindert wird. Zudem gibt es gewisse Risikofaktoren, die uns bewusst sein sollten. Nikotin, übermässiger Alkoholkonsum, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel oder Untergewicht in jungen Jahren begünstigen den rascheren Abbau der Knochenbälkchen.

Genau so wichtig ist es, sich auf das zu konzentrieren, was den Knochen guttut: Bewusste, gesunde Ernährung und Bewegung. Zwischen 1000 und 1500 Milligramm Kalzium sollte ein erwachsener Mensch über Milch, Mineralwasser oder beispielsweise Sojaprodukte pro Tag zu sich nehmen. Warum das so wichtig ist? Kalzium wird in unseren Knochen gespeichert und ist das Baumaterial der Knochen. Fehlt es dem Körper an irgendeiner Stelle, wird es den Knochen entzogen, wodurch diese an Stabilität verlieren. Vitamin D ist ebenfalls essenziell. Es unterstützt den Knochenstoffwechsel und sorgt dafür, dass Kalzium überhaupt in ausreichenden Mengen aufgenommen werden kann. Der Körper produziert es selber, wenn wir uns regelmässig im Freien, im Sonnenlicht aufhalten. Im Winter ist das seltener der Fall, die Einnahme von Präparaten mit Vitamin D kann daher sinnvoll sein. Neben den Vitaminen B6 und B12 ist zudem auch Folsäure ein wichtiger Helfer im Kampf gegen Osteoporose. Dieses Vitamin findet sich beispielsweise in Weizenkeimen, Sojabohnen, Nüsslisalat, Spinat, Rosenkohl, Broccoli, Erdbeeren, Tomaten, Vollkornbrot oder Kartoffeln.

Sport stärkt

Keine Angst vor Bewegung! Wer die Knochen aus Angst nur noch schont, schwächt sie. Üben hingegen die Muskeln immer wieder Druck und Zug auf sie aus, wie dies beim Sport der Fall ist, regt das den Aufbau an und die Knochen werden stabiler. Spazieren, Wandern, Walken, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik oder Krafttraining – als vorbeugende Massnahme ist jede Sportart sinnvoll und möglich. Wer an Osteoporose leidet, sollte jedoch etwas vorsichtiger sein und sich beraten lassen. Gymnastik, spezielles Funktionstraining für Betroffene oder Bewegungstherapie auf einer Vibrationsplatte – Sie finden garantiert etwas, was Ihnen Spass macht und Ihre Knochen stärkt!

Text: Brigitte Bircher-Schöb