toppharm.ch

Wenn es immer wieder zieht und hämmert im Kopf

Schmerzmittel, Dunkelheit, Kälte – die Möglichkeiten zur Bekämpfung sind vielfältig. Dennoch finden viele Betroffene keinen wirksamen Weg, ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Ein Tipp: nicht aufgeben und weitersuchen – das zahlt sich meist aus!

Schmerzmittel, Dunkelheit, Kälte – die Möglichkeiten zur Bekämpfung sind vielfältig. Dennoch finden viele Betroffene keinen wirksamen Weg, ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Ein Tipp: nicht aufgeben und weitersuchen – das zahlt sich meist aus!

Tipps vom Gesundheits-Coach

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Wie weiss ich, woran ich leide?

Wichtig ist, dass man den Schmerz lokalisieren kann. Ist es ein pochender oder ein stechender Schmerz, welche Begleiterscheinungen treten auf, das sind Fragen, die abgeklärt werden müssen, damit man den Kopfschmerz zuordnen kann.

Darf man einfach eine Tablette nehmen?

Bei Medikamenten ist immer Vorsicht geboten. Wenn man beispielsweise unter Allergien leidet oder schon andere Medikamente einnehmen muss, ist es sinnvoll, mit dem Gesundheits-Coach in der Apotheke darüber zu sprechen.

Welche natürlichen Mittel können helfen?

Wir haben zum Beispiel gute Erfahrungen mit Pfefferminzöl gemacht, das man an den Schläfen einreibt. Magnesium-Präparate können vorbeugend wirken. Aber auch der Kaffee-Zitronen-Mix hilft vielen Betroffenen. Manchmal reicht schon ein kalter Umschlag.

Warum leiden Frauen dreimal häufiger an Migräne als Männer?

Das hat viel mit den zyklusbedingten Hormonschwankungen zu tun.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder über Kopfweh klagen?

Hier gilt das Gleiche wie bei Erwachsenen: Den Schmerz gut abklären lassen. Wenn Kinder oder Jugendliche oft über Kopfschmerzen klagen, kann man einiges tun. Regelmässig essen, genügend Schlaf und Erholung reichen häufig schon für eine Verbesserung der Situation.

Wie sinnvoll sind Schmerz-Checks?

Sehr sinnvoll. Gerade bei chronisch Schmerz-Geplagten, erhalten wir ein sehr gutes Feedback. Die strukturierte Abklärung ermöglicht es, konkrete Vorschläge machen zu können, die das Wohlbefinden eindeutig positiv beeinflussen.

Kopfschmerzen – Gut zu wissen

Wenn es immer wieder zieht und hämmert im Kopf

Glücklich, wer nie oder nur selten unter Kopfschmerzen leidet! Der hämmernde oder ziehende Schmerz ist für Betroffene eine grosse Belastung, besonders dann, wenn es scheinbar kein Entrinnen gibt. Oft wird die Lebensqualität über Jahre und Jahrzehnte deutlich eingeschränkt.

Wer sich zu stark der Sonne aussetzt, körperlich überanstrengt, zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt oder einfach zu wenig schläft, spürt die Folgen ebenfalls häufig als Kopfschmerzen. Diese können mit Abdunkeln, Wasser und Kopfschmerztabletten rasch gehemmt werden. Sie sind harmlos, solange sie eine Ausnahme bilden und wir die Ursache kennen. Genauso verhält es sich mit dem Schädelbrummen nach einem feucht-fröhlichen Fest. Wir hätten es doch eigentlich besser wissen müssen!

Menschen hingegen, die unter Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen leiden, kennen die Ursache meist nicht und sind genau wie Ärzte und Therapeuten häufig machtlos. Über 200 Arten von Kopfschmerzen unterscheiden Fachleute. Grob werden sie in Primäre und Sekundäre unterteilt.

Primäre Kopfschmerzen

Primäre Kopfschmerzen treten ohne erkennbaren Grund auf. Dazu gehören Migräne und Spannungskopfschmerzen – rund 90 Prozent – oder beispielsweise die extrem heftigen Cluster-Kopfschmerzen. Die Ursachen sind nur teilweise bekannt, direkte Auslöser können von Betroffenen nur selten genannt werden. Sicher ist: Faktoren wie Stress, seelische Belastung, Schlafmangel oder auch gewisse Nahrungsmittel haben häufig und vor allem auf Migräne Einfluss. Auch wer das weiss, kann meist nur wenig dagegen tun. Ergänzende Massnahmen wie Akupunktur, Akupressur, Entspannungsmassagen und -therapien, Homöopathie oder Ernährungsumstellungen auszuprobieren, macht auf jeden Fall Sinn. Dennoch kommen vor allem Migräne-Patienten meist nicht an Schmerzmitteln vorbei. Teilweise werden bei Migränikern sogar Medikamente wie Betablocker vorbeugend eingesetzt.

Die Art und Stärke des Schmerzes ist bei diesen drei Arten sehr unterschiedlich: Spannungskopfschmerzen treten meist in den Bereichen Stirn und Nacken auf, in der Regel beidseitig. Der Migräne geht oft eine Aura, neurologische Störungen wie Flimmersehen, Sprachstörungen oder Lähmungen voraus. Bald folgen starke pulsierende und bohrende Schmerzen, meist einseitig im Stirnbereich, der Schläfe und beim Auge. Jedoch sind auch beidseitige Schmerzen oder solche, die vom Nacken und Hinterkopf ausstrahlen, nicht selten.

Im Durchschnitt hat ein Betroffener eine bis vier Attacken pro Monat. Cluster-Kopfschmerzen sind äusserst schmerzhafte, fast schon vernichtende Schmerzattacken, die zwischen 20 Minuten und drei Stunden anhalten. Sie werden als «Dolchstoss ins Auge» beschrieben und wiederholen sich teilweise über Wochen mehrmals täglich.

Sekundäre Kopfschmerzen

Sie treten infolge einer Erkrankung oder Verletzung auf, sind also ein Symptom. Ihnen kann eine Kopfverletzung, Gefässkrankheit, Alkoholkonsum oder eine Infektion zugrunde liegen. Auch scheinbar Harmloses wie eine Gebissfehlstellung oder eine nicht korrigierte Kurzsichtigkeit kann die Ursache sein. Deshalb ist es ratsam, bei neu auftretenden Kopfschmerzen oder wenn bekannte Schmerzattacken sich häufen oder stärker werden, den Arzt zu konsultieren. Er kann feststellen, ob es sich um primäre Kopfschmerzen handelt oder eine zu behandelnde Erkrankung vorliegt. Allerdings gibt es unzählige mögliche Ursachen, sodass es bis zur Diagnose lange dauern kann und Betroffene viele Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen. Doch die Suche lohnt sich – erst wenn das Problem an der Wurzel gepackt werden kann, lässt es sich lösen!

Jeder Schmerz ist anders

Für die richtige Diagnose ist es wichtig, dass der Patient den Schmerz möglichst genau beschreiben kann. Ein Kopfschmerztagebuch zu führen, kann hilfreich sein. Stellen Sie sich folgende Fragen: Fühlte es sich pochend, stechend, dumpf oder pulsierend an? Wo und wie genau war der Schmerz zu spüren? Wie lange hat der Zustand angedauert? Hatte ich Begleitsymptome oder Vorzeichen? Was hat geholfen, was hat die Schmerzen vielleicht sogar verstärkt? Was habe ich unmittelbar vor der Attacke gemacht, gegessen, wie habe ich mich davor gefühlt? Lang¬fristig sollte notiert werden, wie häufig und in welchen Abständen die Schmerzen auftreten und ob andere Krankheitszeichen damit zusammenhängen. Auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Sehstörungen, eine Migräne typische Aura, Fieber, Lichtempfindlichkeit sollten notiert werden. Aufgrund solcher Notizen kann der Arzt schneller unterscheiden, ob es sich um primäre oder sekundäre Kopfschmerzen handelt und welche weiteren Abklärungen nötig sind. Auch für Therapeuten sind diese Informationen nützlich. Und wer weiss, vielleicht helfen sie sogar dem Betroffenen selber, gewisse Auslöser zu entlarven!

Text: Brigitte Bircher-Schöb