Frau Herrmann, wieso schwitzen wir eigentlich, und was kann man gegen das Schwitzen tun?

Schwitzen dient in erster Linie der Regulation unserer Körpertemperatur. Durch das Verdunsten des Schweisses auf der Körperoberfläche wird einem Überhitzen  vorgebeugt. Da Schwitzen ein natürlicher Prozess ist, sollte man es im Normalfall nicht unterdrücken. Übermässiges Schwitzen an Händen, Füssen oder unter den Achseln kann aber für die betroffene Person sehr unangenehm sein und auch zu Problemen im zwischenmenschlichen Bereich führen. Denn auf der Haut angesiedelte Bakterien zersetzen den zunächst geruchlosen Schweiss in übelriechende Abbauprodukte. Grundsätzlich ist eine gründliche Körperhygiene, also regelmässiges Duschen, vor allem im Sommer nicht zu vernachlässigen. Ausserdem gibt es zur äusserlichen Anwendung Deodorants und Antitranspirante. Deodorants mindern den Schweissgeruch, indem sie die Aktivität von geruchsbildenden Bakterien reduzieren und meist parfümiert sind sowie übelriechende Substanzen teilweise neutralisieren. Antitranspirante dagegen hemmen die Schweissproduktion. Neben den kosmetischen Mitteln bietet auch die Naturheilkunde diverse Pflanzen zur Beeinflussung des Schwitzens, beispielsweise den Salbei, der die Schweissausscheidung hemmt.

Wie funktionieren Antitranspirante genau und wieso stehen sie im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein?

Antitranspirante enthalten Aluminiumverbindungen wie Alaun. Diese Aluminiumsalze verengen die Schweissdrüsen, und dadurch wird die Schweissausscheidung gehemmt. Bei der Anwendung von Antitranspiranten wird ein kleiner Teil des aufgetragenen  Aluminiums in den Körper aufgenommen. Seit Jahren wird deshalb die Frage diskutiert, ob aluminiumhaltige Antitranspirante das Risiko für Brustkrebs erhöhen und ob ein Zusammenhang zwischen Aluminium und der Entstehung von Alzheimer-Demenz besteht. Beide Vermutungen konnten bisher nicht belegt werden, aber wie schon Paracelsus sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Es ist also nicht falsch, etwas Vorsicht walten zu lassen und die Empfehlung zu berücksichtigen, die Antitranspirante sparsam anzuwenden. Besondere Vorsicht ist bei verletzter Haut geboten, beispielsweise nach der Rasur: Dort ist die Barrierefunktion der Haut gestört, sodass das Aluminium leichter eindringen kann.

Welche Alternativen gibt es für die äusserliche Anwendung und wie wirken diese?

Es gibt inzwischen viele Deodorants ohne Aluminium, die beispielsweise basische Mineralien enthalten. Diese neutralisieren das saure Milieu des Schweisses und unterbinden so das Wachstum der geruchsbildenden Bakterien. Gerbstoffe, wie sie in der Eichenrinde vorkommen, wirken sulfuricum abdichtend, austrocknend und entzündungshemmend. Der Effekt ist allerdings etwas geringer als bei aluminiumhaltigen Antitranspiranten. 

Wann spricht man eigentlich von krankhaftem Schwitzen?

Leidet jemand unter einer sogenannten Hyperhidrosis, kommt es bereits bei geringstem oder gar keinem Anlass zu einer übermässigen Schweissproduktion, vor allem an Handflächen, Fusssohlen und Achselhöhlen. Die Betroffenen stehen unter einem grossen Leidensdruck und unterliegen sozialen und beruflichen Einschränkungen. Die Ärztin oder der Arzt sollte abklären, ob eine Ursache für das übermässige Schwitzen vorliegt, eventuell eine schwere Erkrankung, damit eine optimale Therapie bestimmt werden kann. Häufig ist eine hormonelle Umstellung, während der Pubertät oder der Wechseljahre ein möglicher Grund.

Was kann man zusätzlich zu den bereits erwähnten Massnahmen gegen übermässiges Schwitzen unternehmen?

Aus dem Bereich der Naturheilkunde bieten sich verschiedene Therapiemöglichkeiten an. So werden in der Homöopathie zum Beispiel Acidum sulfuricum, Lachesis oder Selenium bei übermässigem Schwitzen eingesetzt. Bei der Wahl des richtigen Mittels müssen aber Begleiterscheinungen und Konstitution der Person mitberücksichtigt werden. Wir empfehlen betroffenen Kundinnen und Kunden sehr häufig spagyrische Mischungen; diese bestehen aus speziell hergestellten Pflanzenessenzen. Bei Frauen in den Wechseljahren empfiehlt sich beispielsweise eine Mischung aus Salbei, Granatapfel, Traubensilberkerze und Hopfen. Grundsätzlich rate ich allen Betroffenen, darauf zu achten, dass Leber und Niere gut arbeiten. Falls nötig, sollte etwas  Anregendes für diese beiden wichtigen Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane eingenommen werden, in Form von Tee oder einer Tinkturenmischung.

«Schwitzen ist ein natürlicher Prozess und sollte im Normalfall nicht unterdrückt werden.»
Sara Probst