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Honigsüss – und doch bitter ernst

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel ist gefährlich. Doch die Zahl der Diabetiker steigt ständig an, die Betroffenen werden immer jünger. Dabei kann bereits ein gesunder Lebensstil Diabetes vorbeugen.

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel ist gefährlich. Doch die Zahl der Diabetiker steigt ständig an, die Betroffenen werden immer jünger. Dabei kann bereits ein gesunder Lebensstil Diabetes vorbeugen

Tipps vom Gesundheits-Coach

Wie wichtig ist Früherkennung?

Sehr wichtig; sie hilft, bleibende Spätfolgen möglicherweise zu verhindern. Vor allem bei familiärer Vorbelastung ist mindestens eine jährliche, nüchterne Blutzuckerkontrolle ratsam. Diese kann in jeder guten Apotheke durchgeführt werden. Je früher man den Stoffwechsel auf die neue Situation einstellt, desto besser ist die langfristige Gesunderhaltung.

Sind Süssigkeiten bei Diabetes absolut tabu?

Absolute Verbote sind schwierig umzusetzen. Aber jeder Diabetiker sollte wann immer möglich auf Süsses verzichten oder den Konsum so gering wie möglich halten. Gut eingestellte Diabetiker dürfen sich eher eine Ausnahme gönnen. Aber nicht nur bei Kristallzucker, sondern auch bei Kohlenhydraten ist Vorsicht geboten, denn diese werden unter anderem zu Zuckerverbindungen abgebaut. Wenn Kohlenhydrate gegessen werden, sind Vollkornprodukte und dunkles Brot zu bevorzugen.

Wie bemerkt man Unter- und Überzuckerung?

Die Beschwerden der Unterzuckerung sind viel akuter, klarer spürbar und können lebensbedrohlich sein. Dabei stehen folgende Symptome im Vordergrund: starkes Schwitzen, Unwohlsein, Bewusstseins-Störungen bis hin zu einem Kreislauf-Zusammenbruch. Deshalb sollte jeder Diabetiker immer eine Rolle Traubenzucker bei sich haben. Bei der Überzuckerung sind Beschwerden wie Durstgefühl, vermehrte Urinausscheidungen, Sehstörungen und Mundtrockenheit die klassischen Zeichen.

Werden alle übergewichtigen Menschen früher oder später Diabetiker?

Das nicht, aber Übergewicht ist sicher einer der wesentlichen Risiko-Faktoren, um an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Aber auch genetische Voraussetzungen, falsche Ernährung, Bewegungsmangel und das Alter gelten ebenfalls als wichtige Faktoren.

Zuckerkrankheit – Gut zu wissen

Honigsüss – und doch bitter ernst

Zuckerkrankheit, so wird Diabetes mellitus auch genannt. Der Name bedeutet übersetzt «honigsüsser Durchfluss» und rührt daher, dass Diabetiker über den Urin Zucker ausscheiden. Am süsslichen Geschmack des Urins konnten Ärzte die Krankheit früher erkennen. Heute gibt es dafür Bluttests.

Bei «Zucker» wird zwischen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterschieden. Bei beiden liegt eine Störung des Zuckerstoffwechsels vor, wodurch der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Unser Körper braucht Traubenzucker, sogenannte Glukose. Sie deckt den Energiebedarf der Muskeln und den unseres Gehirns. Die Glukose gelangt direkt über die Nahrung ins Blut, wird von den Zellen aufgenommen und verarbeitet. Dies geht jedoch nur mit Hilfe des Hormons Insulin. Ohne Insulin kann die Glukose die Zellwände nicht durchdringen und bleibt somit im Blut. Logische Folge: Die Zellen werden nicht mit Energie versorgt, dafür steigt der Zuckerspiegel im Blut an.

Fehlendes Insulin

Typ-1-Diabetes ist weniger verbreitet, macht sich jedoch meist bereits in der Kindheit oder Jugend bemerkbar. Erste Anzeichen sind häufig starker Harndrang und ständiger Durst. Bei dieser Form werden die sogenannten Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Diese Zellen wären für die Produktion von Insulin verantwortlich. Betroffene müssen sich das fehlende Insulin lebenslang zuspritzen. Nur so kann die Glukose von den Zellen aufgenommen und verwertet und der Blutzuckerspiegel gesenkt werden. Es wird angenommen, dass es sich bei Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der Virusinfektionen sowie auch Erbfaktoren eine Rolle spielen und die Erkrankung begünstigen. Vorbeugen scheint bei dieser Form von Diabetes nicht möglich zu sein.

Insulinresistenz

Anders sieht es bei Typ-2-Diabetes aus. Dieser betraf früher meist ältere Menschen und wird daher auch Altersdiabetes genannt. Heute erkranken immer mehr auch junge Menschen, ja sogar Kinder an dieser Diabetes-Form. Der Begriff Alterdiabetes ist demnach nicht mehr ganz zutreffend. Insulin wird bei Typ 2 meist genügend produziert. Jedoch reagieren die Zellen, welche mit Hilfe des Insulin den Zucker aus dem Blut aufnehmen, nicht mehr richtig. Sie werden insulinresistent. Prompt produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, so lange bis die produzierenden Zellen erschöpft sind, was wiederum bewirkt, dass zu wenig Insulin vorhanden ist. Die Folge davon ist wie bei Typ 1: Der Blutzuckerspiegel wird nicht mehr gesenkt.

Die erbliche Veranlagung fällt bei Typ 2 stärker ins Gewicht als bei Typ 1. Doch ist erwiesen, dass Übergewicht und Bewegungsmangel Typ-2-Diabetes stark begünstigt und jeder daher seine Gesundheit zumindest teilweise selber in der Hand hat. Wer sich mehr bewegt, gesund ernährt und dadurch Gewicht abbaut, kann Typ 2 wirksam vorbeugen und die Krankheit möglicherweise ohne Medikamente in den Griff bekommen. Reicht ein gesunder Lebensstil nicht aus, helfen Medikamente oder allenfalls eine Insulintherapie.

Gefährliche Folgeschäden

Diabetes bleibt häufig lange Zeit unerkannt. Dies, weil erste Symptome wie starker Durst, Heisshunger, Müdigkeit, vermehrtes Wasserlassen, Sehstörungen, Juckreiz oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte gut ignoriert werden können. Die Erkrankung wird oft nur per Zufall und spät diagnostiziert.

Ist der Blutzuckerspiegel jedoch über Jahre zu hoch, können die Blutgefässe Schaden nehmen. Durchblutungsstörungen an Beinen und Füssen, Netzhautveränderungen, Störungen der Nierenfunktion sowie Erektionsstörungen sind die Folge. Die Gefahr für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt steigt an. Sind die Nerven geschädigt, können Gefühlsstörungen auftreten.

Diabetes kann nicht geheilt werden. Ziel der Behandlung ist es, den Blutzuckerspiegel unter Kontrolle zu halten und somit Spätschäden entgegenzuwirken. Wer strikt auf vollwertige Ernährung und genügend Bewegung achtet, die Blutzuckerwerte regelmässig kontrolliert und bei schlechten Werten reagiert, kann mit der Krankheit jedoch fast uneingeschränkt leben. Dafür lohnt es sich doch allemal, die Couch öfter gegen die Laufschuhe und den Schokoriegel gegen einen Apfel zu tauschen – auch vorbeugend.

Text: Brigitte Bircher-Schöb