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APROPOS Ausgabe 4/22
Glücklich durch Helfen

Anderen Menschen helfen, etwas Gutes tun: Das macht erwiesenermassen glücklich. Ein ehrenamtliches Engagement bringt aber noch etliche weitere Vorteile mit sich – nicht zuletzt auch für Ihre Gesundheit.

Von Jasmin Geissbühler

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Im Tierheim aushelfen, ältere Menschen im Altersheim besuchen oder sich für Flüchtlinge engagieren: Etwa 3 Millionen Schweizerinnen und Schweizer leisten jedes Jahr ehrenamtliche Arbeit, zusammengezählt sind dies rund 660 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit pro Jahr. Das Bedürfnis, sich freiwillig zu engagieren, kommt auch nicht von ungefähr: Denn der Mensch ist schlicht und einfach nicht dafür gemacht, auf Dauer alleine zu sein. Gilt er doch seit eh und je als «Gemeinschaftswesen».

Das sagt die Forschung

Dass zwischenmenschliche Beziehungen für unser Wohlbefinden von grosser Bedeutung sind, belegen mehrere unabhängig voneinander durchgeführte Studien. Ein Beispiel dafür ist die «Grant-Studie» der Harvard University: Für diese Langzeitstudie wurden mehr als 700 Personen während 75 Jahren begleitet, um herauszufinden, wie Psyche und Gesundheit miteinander verbunden sind und welche Faktoren zu einem als «glücklich» empfundenen Leben beitragen. Dabei wurden zwischenmenschliche Beziehungen von beinahe jedem Teilnehmenden als wichtigsten Faktor genannt.

Der Hirnforschung gelang es zudem, aufzuzeigen, weshalb Helfen glücklich macht: Engagiert man sich freiwillig für eine gute Sache, werden gleich mehrere Glücksbotenstoffe im Gehirn freigesetzt. Gleichzeitig werden bei sozial motivierten Tätigkeiten im Körper Stresshormone abgebaut. Deshalb fühlen sich Menschen, die regelmässig anderen helfen und selbst in ein gutes soziales Netzwerk eingebettet sind, oft weniger schnell gestresst.

Deshalb lohnt sich Helfen auch noch

Ein gemeinnütziges Engagement macht aber nicht nur glücklich und hilft, entspannter zu sein. Es kann auch dabei helfen, das Selbstwertgefühl zu steigern, man erhält Anerkennung und erlebt Verbundenheit. Zudem erhalten Helferinnen und Helfer durch ehrenamtliche Arbeit Bestärkung darin, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und gebraucht zu werden. Und das fühlt sich richtig gut an.

Ein weiterer positiver Effekt: Man knüpft soziale Kontakte und ist weniger allein. Ein bedeutender Vorteil der ehrenamtlichen Tätigkeit, wenn man bedenkt, dass sich in der Schweiz jede dritte Person manchmal oder gar oft alleine fühlt – Tendenz steigend. Denn Einsamkeit kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken: Sie ist für den Menschen in etwa so ungesund wie Alkohol, Rauchen und Übergewicht und kann beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Aber Achtung: Einsamkeit ist nicht gleich Alleinsein! Als einsam gelten gemäss Definition Personen, die sich mehr zwischenmenschliche Beziehungen wünschen, als sie tatsächlich haben. Auch wer allein ist, kann also glücklich sein – vorausgesetzt, dies ist auch so gewollt.

Plauderkasse – wir nehmen uns Zeit für Sie

Ein Pilotprojekt zur Förderung der Gemeinschaft

An der Plauderkasse dürfen sich Einkaufende Zeit nehmen, hier herrscht keine Eile. Gleichzeitig können sie sich mit dem Kassenpersonal sowie freiwilligen Mitarbeitenden austauschen. Diese Gesprächsmöglichkeit ist eine persönliche Bereicherung beim Einkaufen und fördert das Gemeinschaftsgefühl und die soziale Teilhabe in der Gesellschaft.

Das schweizweite erste Pilotprojekt von Gsünder Basel startete am 17. Oktober 2022 und dauert sechs Monate. Finanziert wird das Pilotprojekt durch die Christoph Merian Stiftung und das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Die Plauderkasse wird mit zwei

Umsetzungspartnern lanciert. Zum einen mit der Genossenschaft Migros Basel in der Filiale Gundelitor, zum anderen mit der TopPharm Apotheke Gellert. In beiden Geschäften öffnet die Plauderkasse zweimal pro Woche in einem Zeitfenster von rund drei Stunden. Darüber hinaus sind geschulte Freiwillige anwesend, die gezielt den Kontakt unter den Kunden fördern und auf bestehende Angebote zur sozialen Teilhabe in der Region Basel aufmerksam machen.

Stéphane Haller / Foto: Christoph LäserTopPharm Apotheker Stéphane Haller von der Gellert Apotheke in Basel ist beim Pilotprojekt «Plauderkasse» mit dabei. APROPOS hat ihn zu seinem ehrenamtlichen Engagement befragt.

Herr Haller, was hat Sie dazu bewogen, beim Projekt Plauderkasse mitzumachen?

Wir haben bei uns in der Apotheke sehr viele hauptsächlich ältere Kundinnen und Kunden, die alleinstehend sind und praktisch nur noch ihren Coiffeur und das Personal unserer Apotheke haben, um sich auszutauschen. Als mich Gsünder Basel für die Teilnahme am Projekt angefragt hat, war für mich deshalb sofort klar, dass sich damit etwas bewegen lassen könnte.

Was erhoffen Sie sich von der Teilnahme am Projekt?

Ich möchte damit einen Beitrag zum Wohlergehen der Bevölkerung leisten. Zudem finde ich es sehr wichtig, dass etwas gegen die Einsamkeit unternommen wird. Denn es leiden viel mehr Menschen darunter, als man vielleicht denkt. Mir gibt die Teilnahme am Projekt ein gutes Gefühl.

Welche Vorteile bringt eine Plauderkasse aus Ihrer Sicht?

Ein Vorteil ist sicher, dass das Angebot einen Gegenpol zu den immer stärker werdenden Versandanbietern für Medikamente und Gesundheitsprodukte bietet. Durch den persönlichen Kontakt in der Apotheke kommt eher ein längeres Gespräch zustande, als wenn man einfach zu Hause ein Päckli erhält. Zudem bietet das Angebot einen niederschwelligen Zugang für Betroffene, die sich ansonsten oft gar nicht erst getrauen, mit anderen Personen in Kontakt zu treten. Und auch Folgekrankheiten, die durch Einsamkeit entstehen können, könnten dank der Plauderkasse möglicherweise vermieden werden. Zudem wollen wir mit dem Projekt versuchen, Betroffene längerfristig von der Einsamkeit wegzubekommen, indem wir sie beispielsweise auf passende Angebote von Gsünder Basel aufmerksam machen.

Weshalb sollte es aus Ihrer Sicht mehr Plauderkassen geben?

Im Rahmen des Pilotprojektes muss jetzt sicherlich erstmal geschaut werden, wie sich die Nachfrage entwickelt. Wenn das Angebot aber rege genutzt wird, hoffe ich natürlich schon, dass zukünftig weitere Institutionen Plauderkassen anbieten. Apotheken sind ja beispielsweise geradezu prädestiniert dafür.