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APROPOS Ausgabe 4/21
Wenn die Medikamente knapp werden

Tinashe Mudzviti behandelt HIV-Betroffene in der Newlands Clinic in Harare, Simbabwe. Die Coronapandemie hat den Apotheker und die von der Ruedi Lüthy Foundation geführte Klinik gefordert – auch weil die Medikamente beinahe ausgegangen wären.

Von Livia Stalder (Ruedi Lüthy Foundation)

Foto: Patrick Rohr

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung der Ruedi Lüthy Foundation und steht nicht im Verantwortungsbereich der Redaktion.

Der persönliche Kontakt zu seinen Patientinnen und Patienten ist Tinashe Mudzviti sehr wichtig. Seit 13 Jahren arbeitet der Apotheker in der Newlands Clinic in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe. Die Klinik mit integrierter Apotheke ist spezialisiert auf die Behandlung von Menschen mit HIV/Aids. Normalerweise empfangen Tinashe Mudzviti und sein Team ihre Patientinnen und Patienten vor Ort. «Unsere Apotheke bietet vor allem jungen Menschen einen Raum, in dem sie offen über ihre Beschwerden und Ängste sprechen können», sagt Tinashe Mudzviti. Normalerweise. Die Covid-19-Pandemie hat den Alltag in der Apotheke der Newlands Clinic verändert: Das Team musste die persönlichen Beratungen weitgehend einstellen und sich auf die Abgabe der Medikamente beschränken. Zudem stand die Apotheke Anfang 2020 vor einem unerwarteten Engpass an Medikamenten.

«Als wir im Frühling 2020 in den Lockdown gingen, war die Unsicherheit gross», erzählt Tinashe Mudzviti. «Innert fünf Tagen war unser Medikamentenlager fast aufgebraucht.» Dies, weil die Apotheke der Newlands Clinic ihre Patientinnen und Patienten kurz vor dem landesweiten Stillstand mit HIV-Medikamenten für drei Monate versorgt hat und die Anlieferungen aus dem Ausland zeitgleich ins Stocken gerieten. «Wir mussten die medizinische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit alternativen Therapiemethoden sicherstellen.»

Behandeln, ausbilden, forschen

In der Newlands Clinic in Harare werden jährlich über 7000 Personen aus ärmsten Verhältnissen behandelt. Der Fokus liegt auf Frauen, Kindern und Jugendlichen. Die Klinik ist Teil des nationalen Programms zur Eindämmung von HIV/Aids in Simbabwe. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in dem südafrikanischen Land rund 1,3 Millionen Menschen mit HIV, das sind 13 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren. Die Patientinnen und Patienten der Newlands Clinic erhalten medizinische Betreuung, lebensnotwendige Medikamente und ergänzende Unterstützung wie zum Beispiel Nahrungsmittelhilfe. Ausserdem lernen sie, mit der Krankheit umzugehen, und erlangen so ihre Selbständigkeit zurück.

Gegründet wurde die Klinik 2003 vom Schweizer Arzt und Aidsspezialisten Ruedi Lüthy. Seine Stiftung, die Ruedi Lüthy Foundation, betreibt die Newlands Clinic, das ihr angeschlossene Zentrum für Frauengesundheit und ein HIV-Ausbildungszentrum. Im Vordergrund stehen neben der medizinischen Versorgung die Schulung von lokalem Gesundheitspersonal sowie die klinische Forschung im langfristigen Engagement gegen die Krankheit.

Aufklärungsarbeit in der Apotheke

Aufklärungsarbeit gehört für Tinashe Mudzviti und seine drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Apotheke der Newlands Clinic zur täglichen Arbeit. Sie betreuen nicht nur HIV-positive Patientinnen und Patienten, sondern auch Personen, die einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Wie der Pharmazeut erklärt, spielt die Apotheke eine zentrale Rolle bei der sogenannten HIV-Präexpositionsprophylaxe. Bei dieser Therapie nehmen stark gefährdete Personen systematisch antivirale Medikamente ein, um einer potenziellen Ansteckung mit dem Virus vorzubeugen.

Tinashe Mudzviti stiess im Jahr 2008 zur Belegschaft der Newlands Clinic. Zuvor hatte er als Dozent an der University of Zimbabwe gelehrt, wo der heute 38-Jährige nach wie vor regelmässig Referate hält. Seine Leidenschaft aber ist die Arbeit in der Apotheke mit den Patientinnen und Patienten. «Meine grösste Motivation ist es, Menschen zu helfen», betont er.

Den Service erweitert

Dass die Verantwortlichen der Newlands Clinic und der Apotheker ein eingespieltes Team sind, zeigte sich in den letzten Monaten erneut. Die pandemiebedingten Herausforderungen mit Lockdown und Ressourcenknappheit verlangten ihnen einiges ab. Gemeinsam suchte das Team nach alternativen Behandlungen mit Generika und lancierte Abgabestellen in Gesundheitseinrichtungen sowie einen Kurierdienst, um die Patientinnen und Patienten zu beliefern. Rückblickend kann Tinashe Mudzviti der Pandemie sogar Gutes abgewinnen: «Die Patientinnen und Patienten schätzen den neuen Medikamentenservice per Kurier, weil sie dadurch keine lange Anreise in die Newlands Clinic auf sich nehmen müssen.» Dank der Pandemie habe die Apotheke ihren Service ausgebaut. «Das ist wertvoll.»

Und was wünscht er sich für die Zukunft der Newlands Clinic? «Ich möchte die Apotheke der Newlands Clinic weiter ausbauen, damit die Patientinnen und Patienten von zusätzlichen Angeboten profitieren können.»

Ruedi Lüthy Foundation

Die Ruedi Lüthy Foundation behandelt mittellose HIV-/Aids-Patienten in Simbabwe. Im Engagement gegen HIV/Aids setzt die Stiftung auf eine langfristige Therapie, bildet zusätzlich Fachleute aus und investiert in Forschung. www.ruedi-luethy-foundation.ch