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APROPOS Ausgabe 4/21
Triggerpunkte: den Knoten lösen

Kopfweh und keine Ahnung, wieso? Das Problem könnte Ihnen wortwörtlich im Nacken sitzen. Triggerpunkte können Schmerzen in anderen Körperteilen verursachen. So lassen sich die Muskelverhärtungen beseitigen.

Von Marlies Seifert

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Besonders wer am Computer arbeitet, kennt sie gut: Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Berührt man die betroffene Körperregion, lassen sich knötchenartige, schmerzhafte Verhärtungen, sogenannte Triggerpunkte, ertasten. Sie entstehen, wenn sich die Muskulatur durch körperliche Überanstrengung oder einseitige Belastung verkrampft und nicht mehr entspannen kann. Das Gewebe wird weniger durchblutet und nicht mehr maximal mit Sauerstoff versorgt. Was wiederum dazu führt, dass sich die Muskeln weiter verkrampfen. Besonders gemein: Die empfindlichen Stellen sorgen meist nicht nur lokal für Beschwerden. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das englische Wort Trigger «Auslöser». So kann ein Knubbel in der Schulter zum Beispiel Unterarmschmerzen auslösen, während ein Triggerpunkt im Nacken zu Spannungskopfschmerzen führen kann.

Betroffene Stellen im Gesäss können sogar bis in den Rücken und die Beine ausstrahlen. Auch hinter Taubheitsgefühlen oder einer verminderten Muskelkraft können Triggerpunkte stecken. Unterschieden wird zwischen zwei Arten: Während aktive Triggerpunkte auch im Ruhezustand Beschwerden verursachen, schmerzen latente Triggerpunkte lediglich bei Berührung. Die gute Nachricht: Beide Arten sind gut therapierbar. Die schlechte: Es wird in jedem Fall unangenehm bis schmerzhaft.

Mit Druck zur Entspannung

Bei einer Triggerpunkt-Massage übt der Therapeut oder die Therapeutin gezielt Druck auf die verhärteten Stellen aus. Reicht die Kraft der Finger nicht aus, werden die Ellbogen eingesetzt oder es wird ein spezielles Triggerholz zu Hilfe genommen. Damit wird so lange (meist 1–2 Minuten) auf die schmerzende Stelle gedrückt, bis sich die Verhärtung löst, was sich meist durch ein angenehm warmes Gefühl bemerkbar macht. Im Anschluss werden die behandelten Stellen mit der Hand ausgestrichen, um das Gewebe aufzulockern. Eine Alternative zur klassischen Massage ist das sogenannte Dry Needling. Dabei wird mit feinen Akupunkturnadeln direkt ins Zentrum der Verspannung gestochen. Das Eindringen der Nadel ist kaum spürbar. Allerdings zuckt der Muskel zusammen, wenn die verhärtete Stelle getroffen wird, was manche Patienten als unangenehm empfinden.

In manchen Praxen wird das Dry Needling mit einer Schmerzstromtherapie verbunden. Dabei unterstützen elektrische Impulse den Effekt der Nadeln. Für tief in den Fasern liegende Triggerpunkte wird teilweise auch eine Stosswellentherapie mittels energiereicher, gebündelter Schallwellen angewendet.

Selbst Hand anlegen

Nicht zuletzt lassen sich viele Triggerpunkte mit einer Selbstmassage lösen. Auf dem Fitnessmarkt sind inzwischen diverse Hilfsmittel vorhanden. Massagebälle und Faszienrollen helfen dabei, gezielt Druck auf die verhärteten Stellen auszulösen. Der neuste Schrei sind elektrische Massagepistolen. Aber Vorsicht: nicht übertreiben! Ist die Kompression zu stark, verkrampfen sich die Muskeln zusätzlich. Am besten legen Sie zuerst für 15 Minuten eine Wärmeflasche oder ein Wärmekissen auf die betroffenen Körperregionen und tasten sich dann langsam an die Triggerpunkte heran. Benutzen Sie dafür Daumen oder Zeige- und Mittelfinger, um die Verhärtungen mit kreisenden Bewegungen zu massieren. Der Schmerz sollte wohltuend sein. Wiederholen Sie die Handgriffe bis zu dreimal täglich. Wenn sich der Knubbel nicht auflöst oder die Schmerzen sich verstärken, sollten Sie einen Arzt oder Physiotherapeuten aufsuchen.

Abschliessend bleibt zu sagen, dass Triggerpunkte nur ein Symptom des eigentlichen Problems sind. Wer den Knoten nachhaltig lösen möchte, muss die Ursachen ermitteln und beispielsweise eine Fehlhaltung am Arbeitsplatz vermeiden. Und: Auch psychischer Stress macht sich durch hartnäckige Verspannungen bemerkbar! Bauen Sie regelmässige Entspannungs- und Dehnübungen in Ihren Alltag ein, um immer schön geschmeidig zu bleiben.

Rückenmassage mit dem Massageball

Legen Sie sich auf eine Matte und führen Sie den Massageball an die schmerzende Stelle. Winkeln Sie die Beine an und machen Sie ein paar Schritte vor und zurück. Stützen Sie sich mit den Armen oder dem Gesäss ab, um den Druck zu regulieren. Führen Sie keinen direkten Druck auf die Wirbelsäule aus!