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APROPOS Ausgabe 4/20
Hanf – das Kraut der Stunde

Entzündungshemmend, krampflösend, schmerzstillend: Dem Hanfprodukt CBD (Cannabidiol) werden allerhand positive Eigenschaften nachgesagt. Was steckt hinter dem Hype?

Von Marlies Seifert

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Auf einen Blick
CBD (kurz für Cannabidiol) ist ein Wirkstoff, der aus Blüten der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis) gewonnen wird. CBD werden krampf- und angstlösende sowie entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Im Gegensatz zum besser bekannten THC wirkt CBD jedoch nicht berauschend.

 

Wachsender Produkte-Dschungel

In der Schweiz gibt es legal erhältliche CBDhaltige Produkte, jedoch mit einem THC-Grenzwert von maximal 1 %. Besonders im Netz ist das Angebot in den letzten Jahren geradezu explodiert. Es gibt immer mehr Anbieter, die mit CBD-Artikeln handeln – und der Handel mit dem Pflanzenprodukt treibt immer buntere Blüten: Die Palette reicht von Hanftee, Hanfölen, Kaugummis und Gummibärchen über Pflaster, Seifen und Pasten bis hin zu Tabakprodukten und gemäss Anbieter fast purem CBD in Form von Kristallen. Für Laien ist es kaum möglich, bei diesem riesigen Angebot den Überblick zu behalten.

Komplizierte Dosierung

Auch in Apotheken und Drogerien ist CBD inzwischen erhältlich – meist in Form von Öl. Lassen Sie sich unbedingt vor Ort beraten, da die Dosierung von Person zu Person sehr individuell ist und je nach Produkt variiert. Denn CBD-Öl ist in unterschiedlich starken Konzentrationen erhältlich. Die Anzahl Tropfen, welche man sich jeweils unter die Zunge träufelt, hängt entsprechend nicht nur von den Beschwerden, sondern auch von der Intensität des Präparats ab. Als grobe Faustregel gilt: Bei leichten Verkrampfungen reichen 5- bis 15%ige Mischungen, bei stärkeren Beschwerden kann auch zu höher konzentrierten Ölen gegriffen werden, spätestens ab 25 % sollte dies jedoch in Absprache mit einem Arzt geschehen. Denn gerade weil es sich um ein Naturprodukt handelt, gibt es mögliche unerwünschte Wirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Herzrasen, trockener Mund, Durchfall und ein veränderter Appetit – also ähnlich wie beim Marihuanarauchen.

Zögerliche Forschung

Ärzte dürfen CBD nur bei ganz bestimmten Erkrankungen und unter strengen Auflagen als Arzneimittel verschreiben. Dies liegt in erster Linie daran, dass bis heute nicht vollständig bekannt ist, wie genau Cannabis auf unseren Körper wirkt. Zwar gilt es als erwiesen, dass die im Hanf enthaltenen Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide, an spezielle Rezeptoren in unserem Nervensystem andocken. Das genaue Zusammenspiel ist jedoch noch Gegenstand der Forschung – genauso wie das therapeutische Potenzial von CBD. Zu vielen Anwendungen gibt es Erfahrungsberichte, aber nur wenige klinische Studien, die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit belegen. Eingesetzt wird Cannabidiol zur Behandlung von Epilepsien bei Kindern. Aktuell wird auch seine Rolle bei der Behandlung von Krankheiten wie Alzheimer, Krebs, Psychosen oder Parkinson untersucht.

Ist Hanf die neue Wunderwaffe?

In der Schweiz ist bisher nur ein verschreibungspflichtiges Medikament auf dem Markt, das CBD enthält. Da es auch einen erhöhten THCWert hat, kann es jedoch nur mit einem Betäubungsmittelrezept bezogen werden. Denn sogenanntes medizinisches Cannabis darf nur an schwer kranke Patienten abgegeben werden, die auf alle anderen anwendbaren Therapien nicht mehr reagieren. In diesen Fällen wird THC-haltiges Cannabis hauptsächlich zur Schmerztherapie angewendet. Wundermittel oder Hokuspokus: CBD ist weder das eine noch das andere. Ein Kraut gegen sämtliche Krankheiten ist auch mit Hanf nicht gewachsen. Bei zahlreichen Beschwerden kann es aber durchaus Linderung bringen.