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APROPOS Ausgabe 3/21
Willkommen in der ältesten Apotheke der Schweiz!

Die TopPharm Rathaus Apotheke hat seit ihrer Entstehung 1571 die Geschichte der Stadt Bern miterlebt und mitgeprägt. Wie sich nicht nur die Apotheke, sondern auch der Apothekerberuf über die Jahre gewandelt haben, erzählt Inhaber und Apotheker Dr. Stefan Fritz.

Von Sara Probst

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Dr. Stefan Fritz, die TopPharm Rathaus Apotheke Bern feiert in diesem Jahr das 450 Jahre-Jubiläum. Wo ist die lange Geschichte der Apotheke auch heute noch sichtbar?

Die ältesten Spuren in den Kellern des Hauses «am scharpfen Eggen» an der Kramgasse 2 in Bern stammen noch aus der Zeit der Stadtgründung. Nach dem Stadtbrand von 1405 wurde das Haus neu aufgebaut. 1720 erstrahlte es in neuem barockem Glanz, der bis heute weitgehend erhalten ist. Die Schaufensterfront und das neugotische Interieur stammen aus dem Jahre 1824. Ausserdem blieben viele Gerätschaften und Glaswaren aus den vergangenen Jahrhunderten erhalten und können in unserem hauseigenen Apothekenmuseum besichtigt werden.

Was hat Sie 1994 dazu bewegt, diese Traditionsapotheke zu übernehmen?

Ich hatte das Glück, ab 1986 als Verwalter unter dem früheren Besitzer, dem Drogisten Hans-Ulrich Neuenschwander, mein Rüstzeug als Unternehmer zu erwerben. Er vermittelte mir den Stolz auf das lange Erbe, aber auch die Freude am Dienst an der Allgemeinheit. So war es mir eine Ehre, als er mir 8 Jahre später die Apotheke übergab.

Hinter den historischen Gemäuern verbirgt sich überraschend viel Moderne: In welcher Form hat die Gegenwart beziehungsweise die Zukunft bei Ihnen Einzug gehalten?

Schon bald nach meinem Eintritt in die Rathaus Apotheke konnte ich meinen damaligen Chef davon überzeugen, unsere Betriebsabläufe mit verschiedenen Informatiksystemen effizienter zu gestalten. Seither war die Rathaus Apotheke immer vorne dabei, wenn es galt, neue Entwicklungen wie beispielsweise technische Errungenschaften oder zukunftsweisende Dienstleistungen in den Arbeitsalltag zu integrieren. Dabei trugen wir aber immer Sorge zum antiken Interieur. Lediglich bei der Neueinrichtung unserer Drogerieabteilung wählten wir bewusst ein modernes Design, um diese klar von der historischen Apotheke abzugrenzen.

Wie unterscheidet sich Ihre heutige Tätigkeit als Apotheker vom beruflichen Alltag Ihrer vielen namhaften Vorgänger?

Das Berufsbild des Apothekers hat sich schon nur in der Zeit meiner Berufsausübung stark gewandelt. Auch wenn die industriell gefertigten Arzneimittel bereits stark überwogen, stellten wir zu Beginn noch täglich individuelle Arzneimittel auf ärztliche Verordnung her, sogenannte Magistralrezepturen. Zunehmend wurden jedoch immer mehr Gesundheitsdienstleistungen von Apothekerinnen und Apothekern erwartet. Jetzt zahlen beispielsweise die Abklärung und Behandlung einfacherer Gesundheitsprobleme und die Überweisung schwerer oder unklarer Krankheitsbilder an die Ärztin oder den Arzt zu unseren täglichen Aufgaben. Auch spezielle Dienstleistungen wie «Metabolic Balance» (gesunde Ernährung und Gewichtskontrolle) und «Kryolipolyse» (Kältebehandlung von Fettpölsterchen) haben wir erfolgreich in unser Angebot aufgenommen. Um unseren Aufgaben in der medizinischen Grundversorgung noch besser nachkommen zu können, haben wir vor Kurzem ausserdem einen weiteren Beratungsraum eingerichtet.

Gibt es eine Anekdote aus der Geschichte der Apotheke, die Sie auch mal einer interessierten Kundin/einem interessierten Kunden erzählen?

Es gäbe sicher einige interessante Begebenheiten mit prominenten Kundinnen und Kunden, seien es Künstler, Stadtoriginale, aber auch hochrangige Politiker aus dem In- und Ausland. Doch unterstehen diese natürlich der beruflichen Verschwiegenheit, worauf sich auch diese Personen verlassen dürfen. Von früheren Inhabern der Apotheke gibt es die eine oder andere nennenswerte Geschichte. Bei unseren Recherchen entdeckten wir – leider erst nach Drucklegung unserer Festschrift – im neuen elektronischen Archiv der Tageszeitung «Der Bund» unversehens einen Apotheker, der bisher in den Annalen nicht aufgeführt war: 1901 verstarb jäh der junge Alfred Gerig nach nur einem Jahr Pächterschaft, als er bei der Heimkehr von einem feuchtfröhlichen Kegelabend aus dem dritten Stock über das Treppengeländer in die Tiefe gestürzt war.

Was bedeutet das 450-Jahre-Jubilaum für Sie persönlich und für Ihr Team?

Wir sind stolz, Teil der langen Geschichte unserer Apotheke zu sein. Gleichzeitig wollen wir diese Geschichte im Sinne unserer Vorgänger weiterfuhren und den Bestand unserer Apotheke für viele weitere Jahre sichern. Alle leisten ihren Beitrag an ihrem Platz, und nur als Team sind wir erfolgreich. Das spürt auch unsere Kundschaft, die alle Veränderungen in unserer Belegschaft wahrnimmt. Mein Vorgänger Hans-Ulrich Neuenschwander hat es einmal so ausgedruckt: «Eine Apotheke wie unser Geschäft bringt keinen Reichtum, aber Befriedigung an der Arbeit, am Dienen vor dem Verdienen, am Menschenkontakt. Diesen Willen, der von allen getragen wird und ein gutes Arbeitsklima bringt, gilt es vor allem zu fördern.»

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Rathaus Apotheke Bern und zu ihrer langen Geschichte bietet die reich bebilderte Jubiläumsbroschüre, die direkt in der Apotheke erhältlich ist oder bei rathaus-apo.be@ovan.ch für CHF 20.– bestellt werden kann. Ausserdem ist das frisch renovierte Apothekenmuseum im Gewölbekeller der Öffentlichkeit auf Voranmeldung während den regulären Öffnungszeiten zugänglich.

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