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APROPOS Ausgabe 1/21
Wenn die Blase drückt

Blasenprobleme machen zwar öfter Frauen zu schaffen, aber auch Männer haben sie. Darüber sprechen lohnt sich, denn bereits einfache Mittel können Linderung verschaffen.

Von Dr. Jürgen Schickinger

Wenn die Blase drückt

Laufen lassen oder nicht? Das ist die Frage, wenn das Wasserlassen brennt oder schmerzt. Diese Zeichen sprechen für eine Blasenentzündung – und gerade da wäre es falsch, das Wasserlassen hinauszuzögern. Beim zweiten sehr häufigen Blasenproblem, der überaktiven Blase, sind Schmerzen selten, aber der Harndrang schlimmer. Hier kann es helfen, den Drang zu bekämpfen und kontrollieren zu lernen. Beide Erkrankungen belasten oft sehr. Zum Glück droht aber nur manchmal Gefahr für die körperliche Gesundheit der betroffenen Frauen und Männer. Männer? Ja, denn auch die gehen Blasenprobleme etwas an.

Mythos unproblematische Männerblase

Frauen haben viel öfter Blasenentzündungen als Männer. Das ist ungerecht, entspricht aber den anatomischen Gegebenheiten. Doch unter 1-jährigen Kindern liegen die Buben deutlich vorne. Danach sind Frauen häufiger betroffen, bevor ab 60 Jahren die Männer wieder vermehrt darunter leiden. Ungleich auf beide Geschlechter verteilt sich auch die überaktive Blase, aber nicht so stark, wie lange vermutet: Die unerschütterlich gesunde Männerblase ist ein Mythos.

Fast immer sind verschleppte Darmbakterien die Ursache von Blasenentzündungen. In die Blase kommen sie durch die Harnröhre. Diese Verbindung zur Austrittsöffnung für Harn ist bei Männern fünfmal länger als bei Frauen, was den Bakterien den Eintritt erschwert. Dafür haben Buben an ihrer langen Harnröhre häufiger angeborene Fehlbildungen, sodass sich Harn staut oder schlecht aus der Blase abfliesst. Das passiert auch, wenn bei vielen älteren Männern eine vergrösserte Prostata auf die Harnröhre drückt. Je langsamer Harn fliesst, desto besser vermehren sich Bakterien in ihm.


Ein Besuch in der nächsten TopPharm Apotheke schafft rasch Klarheit: Mittels eines Urintests kann unkompliziert festgestellt werden, ob bei Ihnen eine Blasenentzündung vorliegt. Anschliessend erhalten Sie eine umfassende Beratung und allenfalls auch direkt das nötige Medikament.


Blasenentzündung: Tipps zur Vorbeugung

Viel trinken ist das A und O: Es beugt Blasenentzündungen vor und ist wichtig, damit sie wieder verschwinden können. Selbst bei Brennen oder Schmerzen müssen Sie Ihre Blase entleeren, möglichst restlos und ohne es zu verzögern. Das spült Erreger aus – auch nach dem Sex. Häufiger Geschlechtsverkehr und insbesondere Analverkehr erhöhen das Risiko für eine Blasenentzündung. Immerhin wehren eine gesunde Scheidenflora und kräftige Schleimhäute viele Infektionen ab. Dieser Schutz kann durch übertriebene Intimhygiene, bestimmte Verhütungsmittel und hormonelle Veränderungen nachlassen. Wegen der Hormone steigt die Gefahr für Blasenentzündungen in der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren. Zur Intimhygiene genügt warmes Wasser ohne Seife in der Regel allemal. Vermeiden Sie zudem Stress, Unterkühlung und das Von-hinten-nach-vorne-Wischen nach dem Toilettengang: Das alles begünstigt Blasenentzündungen.

Typische Symptome und Behandlung

Typisch für die Infektionen sind neben Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen auch lästiger Harndrang und teils krampfartige Unterleibsschmerzen. Der Harn kann ungewöhnlich riechen und trüb sein, selten sogar blutig. Meistens legen sich die Beschwerden innert weniger Tage. Schneller geht es mit rezeptpflichtigen Antibiotika und manchen frei erhältlichen, pflanzlichen Mitteln wie beispielsweise D-Mannose. Dabei handelt es sich um einen Einfachzucker, der unter anderem in Preiselbeeren vorkommt. Vorher können Wärme oder leichte Schmerzmittel die Schmerzen im Unterleib lindern. Guten Rat zur Vorbeugung und Behandlung bekommen Sie auch in jeder Apotheke. Doch bei allen Patienten, bei denen Blasenentzündungen ungewöhnlich sind, gelten sie als kompliziert: Sie können ernste Folgen haben und ein Arztbesuch ist unvermeidbar. Grundsätzlich als unkompliziert gelten die Infektionen ausschliesslich bei sonst gesunden, nicht schwangeren Frauen. Sie müssen nur selten eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn etwa Fieber auftritt, ungewöhnliche Symptome erscheinen, die typischen Beschwerden lange bleiben oder ständig zurückkommen.

Bei überaktiver Blase ist der Drang kaum auszuhalten

Unter einer überaktiven Blase leiden mehr als zehn Prozent aller Frauen und Männer dauerhaft. Harndrang, der kaum auszuhalten ist, zwingt sie mindestens achtmal pro Tag dazu, fast sofort Wasser zu lassen. Und auch unerwarteter Harnabgang kann vorkommen. Viele Betroffene trauen sich nicht mehr ins Kino, Restaurant oder Museum. Ein Drittel entwickelt Harninkontinenz. Die Ursache der überaktiven Blase, die früher zum Teil Reizblase hiess, ist unbekannt. Körperliche Gründe sind nicht erkennbar. Medikamente können den Harndrang abschwächen. Betroffene gewöhnen sich häufig aber ein schlechtes Trink- und Wasserlassverhalten an, sodass ihnen ein Verhaltenstraining hilft.