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Ileus - Darmverengung

Synonyme: Darmverschluss, Obstruktion, Stenose

Der Ileus gehört zu den gefährlichsten Erkrankungen im Bauchraum. Eine Darmverengung (Stenose, Obstruktion) ist eine unvollständige, ein Darmverschluss (Ileus) ist eine vollständige Blockade der normalen Passage des Darminhalts. Üblicherweise wird der Begriff Ileus (aus dem Griechischen: Verdrehung, Verwindung) mit Darmverschluss gleichgesetzt.

Darmverschluss (Ileus) kann sowohl den Dünn- als auch den Dickdarm betreffen. Wenn ein Darmverschluss vorliegt, wird der Darminhalt nicht mehr weiterbefördert. Es kommt zur Stauung des Darminhaltes an Engstellen (mechanischer Ileus) oder die Darmbewegung kommt zum Erliegen (paralytischer Ileus). Dadurch können Keime oder sogar Darminhalt die Darmwand durchwandern und in der Bauchhöhle zu schweren Infektionen führen. Eine Bauchfellentzündung wird auch als Peritonitis bezeichnet und ist für die Entstehung des akuten Bauchs (akutes Abdomen) verantwortlich.

Der Bauch erscheint prall und ist auf geringsten Druck schmerzhaft. Die natürliche Reaktion ist Abwehrspannung (Peritonismus) des Abdomens. Die Abwehrspannung kann zuerst auf eine bestimmte Region begrenzt sein. Bei Fortschreiten des Krankheitsbildes ist sie über den gesamten Bauchraum ausgedehnt. Der Bauch kann beim Abtasten sogar bretthart erscheinen.

Der Allgemeinzustand des Patienten verschlechtert sich zunehmend. Hohes Fieber um 39°C, Kaltschweissigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Stuhlverhalt, körperliche Austrocknung (Exsikkose) und Kollaps können dann das Krankheitsbild beherrschen. Aufgrund einer bestehenden lebensbedrohlichen Situation ist ein rasches operatives Vorgehen notwendig.

Je nach Ursache unterscheidet man zwischen einem mechanischen und einem lähmenden (paralytischen) Darmverschluss.

Mechanische Einwirkungen (Mechanischer Ileus)

Dünn- und Dickdarm befinden sich in ständiger Bewegung, um die verdauten Nahrungsmittel wellenförmig in Richtung des Enddarms zu befördern. Diese für den Magen-Darm-Trakt typische Bewegung nennt man Peristaltik. Wie stark die Peristaltik sein kann, lässt sich besonders gut bei Durchfallerkrankungen erkennen. Aber auch ein Darmverschluss kann heftige Darmbewegungen auslösen. Die Folge sind heftige Bauchschmerzen, die je nach Ursache stechend, dumpf oder krampfartig (kolikartig) sein können. Zuerst kann der Schmerz recht gut einer bestimmten Region zugeordnet werden, doch mit der Zeit dehnen sich die Beschwerden auf den gesamten Ober- und Unterbauch aus. Ein Darmverschluss, bei dem Hindernisse im Darm den Weitertransport des Darminhalts beeinträchtigen oder verhindern, wird als mechanischer Darmverschluss (Ileus) bezeichnet.

Lähmender Darmverschluss (paralytischer Ileus)

Ein lähmender Darmverschluss besteht immer dann, wenn die Darmbewegung (Peristaltik) plötzlich abbricht. Der Darminhalt kann aufgrund der Darmlähmung nicht mehr in Richtung Enddarm befördert werden. Wie beim mechanischen Darmverschluss können die im Darminhalt enthaltenen Keime die Darmwand durchwandern. Sie gelangen in die Bauchhöhle und führen zu einer Bauchfellentzündung. Es kommt zu einem sogenannten akuten Bauch (akutes Abdomen). Umgekehrt kann auch eine bestehende Bauchfellentzündung zu einem lähmenden Darmverschluss führen. Rasch eintretende (akute) und langanhaltende (chronische) entzündliche Prozesse der Bauchorgane können sich durch die Wandschädigung des betroffenen Organs auf den Bauchraum ausdehnen und auch hier eine schwere entzündliche Reaktion des Bauchraums beziehungsweise des Bauchfells (Peritonitis) hervorrufen. Unabhängig von der Ursache einer Peritonitis entsteht als Folge der Bauchfellentzündung ein lähmender Darmverschluss (paralytischer Ileus). Die Darmschlingen sind nicht mehr in Lage, Darminhalt weiterzubewegen.

Die Symptomatik eines Darmverschlusses kann plötzlich als sogenanntes akutes Abdomen in Erscheinung treten (zum Beispiel eingeklemmte Hernie), sich jedoch auch schleichend und diskret ausbilden (zum Beispiel ein langsam wachsender, einengender Tumor), was man als "Subileus" bezeichnet.

Die wichtigsten Symptome eines Ileus:

Der Darminhalt staut sich bis in den Magen, was zum Erbrechen von Kot führt ( = Miserere).
Schmerzen können durch krampfartige Darmkontraktionen (deutlich vermehrte Darmperistaltik bei mechanischem Ileus) oder eine gleichzeitig bestehende Bauchfellentzündung bedingt sein. Stuhl- und Windverhalt ist besonders typisch für den paralytischen Ileus.
Stuhl- und Windverhalt ist besonders typisch für den paralytischen Ileus.
Als Folge der Darmerweiterung ist der Bauch aufgetrieben (Meteorismus). Der Darminhalt staut sich bis in den Magen, was zum Erbrechen von Kot führt ( = Miserere). Schmerzen können durch krampfartige Darmkontraktionen (deutlich vermehrte Darmperistaltik bei mechanischem Ileus) oder eine gleichzeitig bestehende Bauchfellentzündung bedingt sein. Stuhl- und Windverhalt ist besonders typisch für den paralytischen Ileus.

Oftmals entwickelt sich ein Ileus jedoch schmerzfrei und über Wochen bis Monate. Beim mechanischen Darmverschluss kann bei hoher Verschlusslokalisation im Bereich des Dünndarms durchaus normaler Stuhlgang abgesetzt werden, da in diesem Darmabschnitt der Stuhlgang noch flüssig ist und die Flüssigkeit gut den eingeengten Darmabschnitt passieren kann. Ist ein Mesenterialinfarkt Ursache eines Ileus, können immer wieder nach dem Essen auftretende Bauchschmerzen auf eine verminderte Durchblutung der Mesenterialarterien hinweisen.

Wenn es der Allgemeinzustand des Patienten zulässt, sollte eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) erfolgen. Hinweise auf wiederholte Magengeschwüre, krampfartige Schmerzen, die unmittelbar nach dem Essen auftreten (Hinweis auf einen Mesenterialinfarkt) oder Schmerzen im rechten Unterbauch (zum Beispiel Blinddarmentzündung) können hilfreich sein, um die notwendigen Untersuchungen einzuleiten.

Die Befragung nach der Art der Schmerzen gibt Aufschluss darüber, welches Organ betroffen sein könnte. Aussagen, wie plötzlich auftretende, heftige und stechende Schmerzen im rechten Oberbauch können auf eine Gallenblasenentzündung oder auf ein Zwölffingerdarmgeschwür hinweisen. Strahlen diese Schmerzen in den rechten Rücken aus, dann kann es sich um eine Gallenblasenentzündung handeln. Daher ist die genaue Beschreibung der Schmerzausdehnung ebenso wichtig wie die Beschreibung der Art der Schmerzen.

Darüber hinaus sind die Angaben zum Stuhlgang wichtig. Fehlender Stuhlgang (Stuhlverhalt) seit mehreren Tagen bei zuvor bestehenden sogenannten Bleistiftstühlen (Stuhlgang hat den Durchmesser eines Bleistifts) lässt den Verdacht auf einen mechanischen Darmverschluss (Ileus) aufkommen. Hat der Betroffene bereits erbrochen, muss auch hier noch einmal genau nachgefragt werden, ob das Erbrochene gallig oder schwarz gefärbt war oder sonstige Auffälligkeiten zeigte.

Nach der Krankengeschichte folgt der körperliche Untersuchungsbefund. Der Patient wirkt unruhig, und die Beine können angewinkelt sein, um die Spannung im Bauch zu verringern und eine Entlastung zu ermöglichen.

Bei der Untersuchung lässt sich eine Abwehrspannung des Bauches feststellen. Diese tritt entweder an einem bestimmten Punkt auf oder ist über den ganzen Bauch verteilt . Der Bauch ist allgemein druckschmerzhaft. Mit dem Stethoskop lassen sich die Darmgeräusche beurteilen. Metallisch klingende Darmgeräusche weisen auf einen mechanischen Ileus hin. Fehlende Darmgeräusche (absolute Stille im Bauch) weisen dagegen auf einen lähmenden Darmverschluss hin (paralytischer Ileus).

Die rektale Untersuchung (Abtastung des Enddarms mit dem Finger) kann schmerzhaft sein, insbesondere dann, wenn eine Blinddarmentzündung zu einer Reizung des Bauchfells geführt hat.

Zur Beurteilung des Bauches werden Röntgenaufnahmen im Stehen oder in Linksseitenlage gemacht. Bei einem Darmverschluss lassen sich sichelförmige Luft- und Flüssigkeitsansammlungen erkennen. Je nach Beteiligung werden sie als Dünn- oder Dickdarmspiegel bezeichnet. Freie Luft unter dem Zwerchfell ist ein Zeichen für einen akuten Bauch.

Mit der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) lässt sich die Ursache des Darmverschlusses eingrenzen. Pendelperistaltik (Darminhalt wird nicht mehr transportiert) spricht für einen mechanischen Darmverschluss und fehlende Peristaltik für einen lähmenden Darmverschluss.

Die Computertomographie wird als ergänzende Untersuchung zur Beurteilung der inneren Organe durchgeführt. Je nach Ursache des Darmverschlusses können viele Blutwerte krankhaft verändert sein.

Das Blutbild ermöglicht die Bestimmung weisser (Leukozyten) und roter (Erythrozyten) Blutkörperchen, des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Blutverlust führt zu einer Verringerung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Eine Entzündung dagegen verursacht einen deutlichen Anstieg der weissen Blutkörperchen. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit, das C-reaktive Protein und die Laktatdehydrogenase (LDH) sind erhöht. Ausserdem können die Leberwerte und Bauchspeicheldrüsenwerte krankhaft ansteigen. Bei Fortschreiten der Erkrankung verschlechtern sich auch die Gerinnungswerte.

Volumenmangel: Jeder Ileus entzieht dem Patienten Flüssigkeit, weil die in das Darmlumen abgegebenen Sekrete (Magensaft, Galle, Pankreas- und Dünndarmsekret) nicht mehr rückresorbiert werden. Hinzu kommen die Verluste durch Erbrechen. Folge ist ein Volumenmangel (Dehydratation), der zur Bluteindickung, verminderter Harnproduktion und Schock führen kann.

Sekundäre Darmparalyse: Beim mechanischen Ileus besteht anfangs eine über das Normalmass hinausgehende Peristaltik. Mit zunehmender Ermüdung der Darmmuskulatur nimmt die anfangs gesteigerte Peristaltik an Intensität ab, um nach Stunden oder Tagen gänzlich zu versagen.

Durchwanderungsperitonitis: Bei längerem Bestehen der Ileussituation kommt es zur bakteriellen Zersetzung (Autolyse) des gestauten Darminhaltes, wodurch die Darmwand für Gifte und Bakterien durchlässig wird. Es kommt zur Gifteinschwemmung in den Kreislauf und zu einer Bauchfellentzündung, was die Prognose drastisch verschlechtert.

Plötzlich eintretende dumpfe oder krampfartige, heftige Bauchschmerzen, verändertes Stuhlverhalten, Übelkeit und Erbrechen können auf Darmverschluss hinweisen, so dass der Hausarzt oder der notärztliche Dienst benachrichtigt werden sollte. Auch Bauchschmerzen, die nach Nahrungsaufnahme auftreten, sollten abgeklärt werden, da sich dahinter insbesondere bei älteren Menschen eine Minderdurchblutung der Baucharterien verbergen kann.

Wenn der Haus- oder Notarzt gerufen wird und dieser einen Ileus diagnostiziert, wird er folgende Notfallmassnahmen durchführen: Als erstes wird eine Magensonde gelegt werden. Darüber kann gestautes Sekret mit einer grossvolumigen Spritze absaugt werden. Den fäkulenten Dünndarminhalt erkennt man an seiner schmutzig-braunen Farbe und dem kotigen Geruch. Baldmöglichst wird eine Infusion angelegt.

Der Darmverschluss muss in den meisten Fällen so rasch wie möglich operativ behandelt werden, da das Krankheitsbild sonst zum Tode führt. Der mechanische Ileus stellt eine absolute Indikation zur sofortigen Operation dar! Das operative Vorgehen richtet sich nach der Ileusursache:

Im günstigsten Fall brauchen lediglich Verwachsungen gelöst werden (Adhäsiolyse oder Bridenlösung).
Beim Strangulationsileus ist meist eine Darmteilentfernung erforderlich.
Kann die Verengung nicht chirurgisch beseitigt werden, weil es beispielsweise ein nicht zu operierender Tumor ist, kommt eine Umgehungsoperation (Bypassoperation, die Engstelle wird durch einen anderen Darmabschnitt überbrückt, umgangen) oder die Ausleitung des Darmes als künstlicher Darmausgang (Stoma) in Frage.

Während des operativen Eingriffs wird ein Antibiotikum gegeben, um einer Ausbreitung der Darmbakterien in den Bauchraum vorzubeugen.

In einer Vorstufe des lähmenden Darmverschlusses kann der Versuch unternommen werden, die Darmbewegung mit Medikamenten in Gang zu setzen. Das erfolgt durch die intravenöse Verabreichung anregender Substanzen wie Neostigmin, Dexpanthenol oder Ceruletid und Einläufen.

Wenn eine Bauchfellentzündung für den lähmenden Darmverschluss verantwortlich ist, muss die Grunderkrankung behandelt werden. So muss zum Beispiel bei einem durchbrochenen Magen- oder Dünndarmgeschwür die Bruchstelle wenn möglich genäht oder operativ herausgeschnitten werden.