17. Mai 2012
16. Mai 2012
15. Mai 2012
Alkohol gefährlicher als Heroin und Crack
Alkohol ist laut einer neuen Studie weitaus gefährlicher als Heroin oder Crack. Er wirkt sich nicht nur auf den Konsumenten selbst aus, sondern besonders stark auch auf deren Umfeld, wie Forscher im Fachmagazin "Lancet" schreiben.
Die Experten untersuchten verschiedene Drogen auf ihre Zerstörungskraft für den Körper und die Gesellschaft. Zwar stellten sich Heroin, Crack und Metamphetamine als die tödlichsten Rauschgifte heraus. Wurden aber die sozialen Auswirkungen miteinbezogen, führte Alkohol die Rangliste der gefährlichsten Drogen an.
Darauf folgen Heroin und Crack. Marihuana, Ecstasy und LSD schätzen die Forscher als deutlich weniger zerstörerisch ein. Die Experten halten Alkohol für so gefährlich, weil er weitverbreitet ist und sich nicht nur auf die Konsumenten, sondern besonders stark auch auf ihr Umfeld auswirkt.
Alkohol nicht verbieten
"Denken Sie nur mal, was (durch Alkohol) bei jedem Fussballspiel passiert", sagt Wim van den Brink, Professor für Psychiatrie und Sucht an der Amsterdamer Universität, der einen Kommentar zu der Studie mitverfasste. Zudem stehe exzessives Drinken in Zusammenhang mit höheren Todesraten und spiele bei Gesetzesverstössen häufiger eine Rolle als die meisten anderen Drogen.
Experten raten dennoch nicht dazu, Alkohol einfach zu verbieten. Leslie King, einer der Autoren der Studie und Berater am Europäischen Beobachtungszentrum für Drogen, warnt sogar davor: Eine Prohibition, wie sie einst in den USA galt, sei kein Ausweg.
"Alkohol ist zu sehr in unserer Kultur verwurzelt, er kann nicht einfach entfernt werden", sagt King. Er rät dazu, gezielt die Vieltrinker ins Visier zu nehmen, nicht die Mehrheit der Leute, die es bei einem oder zwei Bier bewenden lassen. Regierungen sollten die Preise für Alkohol anheben und mehr Aufklärung betreiben.
Legal und illegal
Die Fachleute sprechen auch eine brisante Frage an: die rechtliche Einordnung der verschiedenen Drogen. Grossbritannien verschärfte zum Beispiel im vergangenen Jahr die Strafen für den Besitz von Marihuana. Bei solchen Entscheiden stütze sich die Regierung nicht immer auf Wissenschaft", sagt van den Brink mit Blick auf die Studie.
Einnahmen aus Steuern - etwa auf Tabak und Alkohol - könnten die Überlegungen der Regierung beeinflussen, wie die verschiedenen Substanzen gesetzlich behandelt würden. Eines stehe aber fest, sagt der Experte: "Legale Drogen verursachen mindestens so viel Schaden wie illegale."
Suchtfachleute und Branche zerzausen neues Alkoholgesetz
Bern (sda) Das neue Alkoholgesetz wird in der Vernehmlassung zerzaust: Während die Gastronomiebranche den Entwurf "unverhältnismässig" nennt, sprechen Sucht- und Präventionsfachleute von einer verpassten Chance - trotz schärferer Bestimmungen zum Jugendschutz.
Der Entwurf sei zu wirtschaftsfreundlich und gehe zu wenig weit, kritisiert etwa das Blaue Kreuz. Schon der Zweckartikel sei minimalistisch. Die Organisation möchte, dass alle Alkoholika nur an über 18-Jährige verkauft werden; für Wein und Bier gilt heute das Mindestalter 16.
"Ungenügend"
Ein "Ungenügend" kommt auch von Sucht Info Schweiz. Die vergünstigte Abgabe von alkoholischen Getränken werde kaum eingeschränkt, findet die Organisationen.
Preisliche Massnahmen wirkten gegen übermässiges Trinken, fehlten aber. Und die Werbebeschränkungen für Alkoholika seien zu wenig streng.
Punkto Preis, Erhältlichkeit, Werbung und Konsum sei für die Prävention eine Chance verpasst worden, sagt Markus Theunert, Geschäftsführer des Fachverbandes Sucht. "Ohne spürbare Preiserhöhung beim Billigalkohol ist das Gesetz zahnlos." Der Bundesrat will auf Massnahmen gegen Billigstangebote verzichten.
Den nationalen "Sirupartikel" begrüssen die Präventionsfachleute. Alle Gastwirte haben die Pflicht, mindestens drei alkoholfreie Getränke günstiger anzubieten als das billigste alkoholische Getränk.
Zwingend kostendeckende Preise für Alkoholika findet Theunert zwar positiv.
Doch niemand wisse, was das konkret heisse. GastroSuisse, der Verband der Hotellerie und Restauration, wendet ein, dass diese Bestimmung das Gewerbe zu stark einschränke.
Ein Menü inklusive Wein oder eine vom Wirt spendierte Runde Bier könnten mit dieser Vorschrift nicht mehr selbstverständlich sein. Die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IGDHS) lehnt die Pflicht zu kostendeckenden Preisen ebenfalls ab.
"Verdeckte Ermittlungen"
Für Alkohol-Testkäufe will der Bundesrat die bisher fehlende gesetzliche Grundlage schaffen. Die Sucht- und Präventionsfachleute und auch Spiritsuisse begrüssen dies. Doch GastroSuisse nennt einen solchen Artikel "fundamental verfehlt".
Bei Testkäufen handele es sich um verdeckte Ermittlung, schreibt GastroSuisse.
Eine solche verdeckte Ermittlung sei aber gemäss dem entsprechenden Bundesgesetz nicht zulässig. Aufgabe des Staates sei es, Straftaten zu verfolgen und nicht, Straftaten "gezielt durch Provokation" zu fördern.
Die IG DHS ist einverstanden mit Testkäufen, findet aber, dass diese in erster Linie zu Monitoringzwecken eingesetzt werden sollten und nicht, um Angestellte strafrechtlich zu belangen.
Nein von Weinhandel und Brauereien
Die Vereinigung Schweizer Weinhandel (VSW) und der Schweizer Brauerei-Verband(SBV) lehnen den Entwurf grundsätzlich ab, weil auch durch Vergärung gewonnene Getränke wie Wein, Bier und Apfelwein dem neuen Gesetz unterstehen sollen Das sei verfassungswidrig, sagt VSW-Direktor Ernest Dällenbach.
Dem Bund stehe es gemäss Artikel 105 der Bundesverfassung nur zu, den Verkauf gebrannter Wasser zu regeln. Wein und Bier fielen unter das Lebensmittelgesetz; Jugendschutz-Bestimmungen gebe es dort bereits. Auch der SBV findet, dass das bestehende Recht genügend Grundlagen für die Bekämpfung von Alkoholmissbrauch enthält.
Dem Blauen Kreuz dagegen fehlt die fiskalische Gleichbehandlung von vergorenen und geistigen Getränken. "Nicht die Art der Getränke macht Probleme, sondern der Alkohol."
Weitere News
- Zu viel Zucker macht dumm 17. Mai 2012
- Schalter für Diabetes-Entstehung 16. Mai 2012
- Supergedächtnis-Gene 15. Mai 2012
- Mehr Senioren- als Babywindeln 14. Mai 2012
- Italien besteuert Softdrinks 13. Mai 2012
- Händewaschen gegen Spitalkeime 12. Mai 2012
- Zulassung von erster Pille gegen Aids 11. Mai 2012
- Aufruf zur Blutspende 10. Mai 2012
- Krebs durch Infektionen 09. Mai 2012
- Lärm macht krank 08. Mai 2012
- Schluss mit Mager-Models 07. Mai 2012
- Schweizer Jugendliche europaweit am schlanksten 06. Mai 2012
- Feinstaub: Lungenschäden und Regenfälle 05. Mai 2012
- Haushaltssprays schädlich fürs Herz 04. Mai 2012
- Überaktive Schilddrüse erhöht Herzkreislaufrisiko 03. Mai 2012

